Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173831
270 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse 
Die niederländische Malerei am 
Noch (leutlicher ist die Abweichung bei einem andern Bilde. 
In der einsam gelegenen Kirche S. Lorenzo an der genuesischen 
Riviera di Levante zwischen Ruta und Rapallo entdeckte ich ein 
Altarwerk von niederländischer Arbeit, bei welchem die Vermuthung, 
dass es von einem Zeitgenossen Memlings herrühre, durch eine In- 
schrift bestätigt wird 1). Die drei vorhandenen Tafeln enthalten die 
Hochzeit zu Cana, die Kreuzigung des Apostels Andreas und die 
Auferweckung des Lazarus; die erste derselben ist auch auf der 
Rückseite bemalt und zwar mit der Darstellung des Sündenfallsg). 
Auf ihr findet sich die Inschrift: Hoc opus iieri fecit Andreas de 
Costa anno 1499, Brugis, während eine neben dem Bilde ein- 
gemauerte Marmortafel uns belehrt, dass zwei Mitglieder der Familie 
de Costa, der Presbyter Laurentius und jener Andreas im Jahre 1485 
diesen Altar gestiftet hätten, und jener dazu das Tabernakel von 
Marmor und Silber (welches nicht mehr vorhanden, sondern durch 
neuere Arbeit ersetzt ist) geschenkt habe. Das Jahr 1499 giebt also 
wahrscheinlich die Zeit der Vollendung des Bildes, dessen Ausfüh- 
rung sich verspätet hatte. Der ungenannte Zeit- und Znnftgenosse 
Memling's liebt, wie dieser, tiefe, reich ausgeführte landschaftliche 
Hintergründe, aber er zeichnet unvollkommener und unterscheidet 
sich von ihm in der Gefühlsweise.  Die ruhige, sinnige Stimmung, die 
Memling's Bilder so anziehend macht, ist einer mehr bewegten ge- 
wichen. Die Landschaft ist mit Einzelheiten, phantastisch gebildeten 
Felsen, Schiffen, Häusern und dergleichen überladen, die Tracht hat 
den Charakter edler Einfachheit, den sie bei Memling meistens hatte, 
verloren und schliesst sich enger an die damalige barocke Mode an, 
die Bewegungen der Gestalten bezwecken eine dramatische Lebendig- 
keit, für welche die Zeichnung nicht ausreicht. Es ist nicht mehr 
der Geist der bisherigen Schule, derhier spricht, sondern ein frem- 
der neuer Geist, der des beginnenden sechszehnten Jahrhunderts, der 
hier nach einer Form sucht. 
Neben diesen unbekannt gebliebenen Nachahmern hlemlings können 
wir dann endlich einen bedeutenden Künstler nennen, dessen Ge- 
schichte und Werke erst seit kurzer Zeit durch die Bemühungen 
unserer Forscher ermittelt sindg). Es ist Gerhard David, der Sohn 
1) Vgl. meine Anzeige im D. K. B1. 1857 S. 459. Eine Abbildung giebt E- Förster, 
Denkmale, Band VI. S. 71.  
2) Es ist nicht, wie Förster a. a. O. sagt, ein Triptychon; die drei Tafeln 
sind gleicher Grösse und es war ohne Zweifel eine vierte vorhanden, welche in 
Verbindung mit der ersten das Ganze zu schliessen gestattete. 
3) Die Ermittelung der urkundlichen Beweise ist das Verdienst von James
        

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