Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173829
dem Memling verwandte Bilder. 
Anonyme, 
269 
und Venedig sah, und die dort den Namen Memlings führten (salvo 
el vero, setzt der vorsichtige Beschreiber hinzu), sind jetzt verschollen, 
können aber als Beweis dienen, wie oft seine beliebte Weise nach- 
geahmt wurdel). 
Zwei sehr geschickte Nachahmer Memlings lernen wir auf einem 
auf beiden Seiten bemalten miniaturartigen, sehr reizenden Diptychon 
im Museum zu Antwerpen kennen. Jede beider Seiten zeigt, wie die 
Wappen beweisen, einen Geistlichen der in der Nähe von Brügge 
gelegenen Dünenabtei, knieend in Anbetung vor einer auf der zweiten 
Tafel dargestellten heiligen Gestalt. Die eine dieser Gestalten, Christus 
in weissem Gewande, trägt die Jahreszahl 1499, scheint aber von 
anderer Hand als die anderen Tafeln, namentlich als die, welche eine 
überaus liebliche Madonna mit dem Kinde in einer reichen, in sorg- 
faltigster Perspective gezeichneten gothischen Kirche enthält, und als 
die des einen knieenden Abtes, welche auf einer Console ein Mono- 
gramm, anscheinend mit den Buchstaben C. H. enthalte). [Die Ma- 
donna ist wohl von dem Bildchen Jan van Eycläs aus der Suermondf- 
schen Sammlung, jetzt in Berlin, stark beeinflusst] 
Zum Theil lassen diese anonymen, dem Memling verwandten 
Bilder schon Abweichungen von seiner Weise erkennen. Dies scheint 
der Fall bei dem Bilde der Bathseba im Museum zu Stuttgart, das 
von Einigen dem Roger van der Weyden, von Anderen Memling zuge- 
schrieben wird. Es ist offenbar eine lebensgrosse Naturstudie, welcher 
der Maler durch Hinzufügung einer Dienerin und des Hintergrundes 
mit dem lauschenden König den Charakter einer Historie gegeben 
hat, dabei aber in alterthümlicher Zeichnung, der fiandrischen Schule 
verwandt, und mit einer Farbenbehandlung, die jene beiden älteren 
Meister ausschliesst und einen Nachfolger Memlings mit einer von 
ihm abweichenden naturalistischen Tendenz zeigt. [Bei näherer Unter- 
suchung des ungünstig hängenden, sehr merkwürdigen Bildes muss 
man doch wohl wieder Waagen beipflichten, der es Memling zuschrieb] 
1) Vgl. Morelli Notizie etc. S. 17. 74. ü". Ein Altärchen mit der Anbetung der 
Könige und den Bildnissen der Stifter, das an Memling erinnerte, fand Eitelberger 
(Jahrbuch d. k. k. C. C. Band V. 274) im Domschatze zu Ragusa. 
2) Die Vermuthung, dass das Bild des Heilandes von anderer Hand sei, als 
die anderen, spricht auch Harzen im Archiv für die zeichnenden Künste Band IV. 
(1858) S. 18 aus. Mir schien dies mit 1499 bezeichnete Bildchen alter und die 
Verfasser des Katalogs des Antwerpener Museums (Nro. 37-40) müssen derselben 
Ansicht gewesen sein, da sie ohne weitere Bemerkung die Nachricht geben, dass 
von den beiden Geistlichen, zufolge ihrer Wappen, der eine, der erst 1519 zu 
dieser Würde bekleidete Abt, der andere sein Coadjutor sei.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.