Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173814
268 
fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse des 
Die niederländische Malerei am 
Fürsten und seines Hofstaates dar und zeigt in der Zeichnung und 
Charakteristik der zahlreichen Figürchen, sowie in der Anordnung des 
perspectivischen Raumes einen bedeutenden Meister, entspricht aber 
keinem der uns bekannten so völlig, dass man es ihm zuschreiben 
dürftel). [Am nächsten möchte es den1 Dierick Bouts stehen. Vgl. 
oben S. 280.] 
Dasselbe gilt von einem sehr merkwürdigen, angeblich aus 
Tongerloo stammenden Bilde, welches sich jetzt im Museum zu 
Lille befindet. Es scheint der Flügel eines Altars zu sein und ent- 
hält eine Darstellung des Brunnens des Lebens, aber in eigenthüm- 
licher Auffassung. In einer weiten Landschaft mit phantastisch ge- 
bildeten Felsen und üppigem, von Blumen und Edelsteinenleuchtendem 
Graswuchs sieht man nämlich einen zierlichen gothischen Spring- 
brunnen mit einer davon abwärts iiiessenden Quelle. Zu diesem 
Brunnen wandern dann auf verschiedenen Höhen fünf Gruppen von 
fast unbekleideten Auserwählten, jede von einem Engel geführt, 
während man weiter oben einzelne Gestalten sieht, die ohne Zweifel, 
nachdem sie aus jenem Brunnen getrunken, höher hinaufsteigen und 
endlich oben auf der Höhe des Berges an den Eingang des Para- 
dieses gelangen, der hier freilich nur durch ein glänzendes Licht, 
wie durch eine Oeffnung des Himmels angedeutet istg). 
QDie zahlreichen kleinen Bilder, welche der Anonymus des Morelli 
in den. Sammlungen der Cardinäle Bembo und Grimani in Padua 
1) Waagen im Kunstblatt 1851 S. 236 und in 'l'reasures of Art, II. 263 schrieb 
es in Uebereinstimmung mit Passavant dem Justus von Gent, dann aber im Hand- 
buch I. 101 dem Dierick Bouts zu, eine Annahme, die mir unbegründet scheint. 
Auch Orowe a. a. O. I. 153 und E. Förster, Gesell. der deutschen Kunst II. 82 
wagen keinen Meister zu nennen. Jules Helbig, Histoire de la peinture au pays 
de Liege (in den Memoires de la Societe libre d'en1ulati0n de Liege 1872) stellt 
die Vermuthung auf, dass der Gegenstand des Bildes die Bestattung des h. Hu- 
bertus in St. Peter zu Lüttich sei und das Bild von dort herstamme. Es fehlt 
aber dafür an jedem Beweise. 
2) Waagen, der es noch im Besitze des Kunsthandlers Nieuwenhuys in Brüssel 
sah, schrieb auch dies Gemälde dem Justus von Gent zu (Kunstblatt 1847 Nr. 47), 
setzte es also in eine Klasse mit den Bildern, die, wie wir jetzt wissen, dem 
Dierick Bouts gehören. Miehiels (III. 140), der es bereits in Lille vorfand und 
ausführlich beschreibt, findet darin „le genie mystique diHubert van Eyck", was 
ihm dann genügt, es dem völlig unbekannten Johann van der Meire als vermeint- 
lichem Schüler Hubertis van Eyek (vgl. oben S. 201) zu überweisen. Ich selbst habe 
leider das Bild nicht gesehen und kenne kein andres sachverständiges Urtheil 
über dasselbe. Vorläufig wird die Kühnheit zahlreicher, nackter Gestalten von 
vortreiflieher llIodellirungülVaagen), welche an das Danziger Bild erinnern (Michiels), 
es rechtfertigen, dass ich es bei den Zeitgenossen Memlingds erwähne.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.