Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173809
Dem Memling beigelegte 
Werke. 
267 
Die lange dem Memling zugeschriebenen Tafeln mit miniatur- 
artigen Gemälden aus dem Leben des h. Bertin, früher auf einem 
Altare im Kloster dieses Heiligen in St. Omer, jetzt im königlichen 
Schlosse im Haag, gehören einem selbständigen Zeitgenossen Mem- 
ling's an; sie erinnern in ihrer sorgfältigen Behandlung und im liebens- 
würdigen, zarten Ausdruck an die Arbeit des Ursulakastens, sind aber 
in der Zeichnung und in der Kraft der Farbe geringer"). Bedeutend 
schwächer sind die ähnlich angeordneten, kleinen Bilder aus dem 
Leben der h. Ursula im Hospital der schwarzen Schwestern zu Brügge 2). 
Ein höchst vorzügliches flandrisches Bild war früher im Besitze 
des verstorbenen Sir Charles Eastlake zu London. Es stellt die Be- 
stattung eines Bischofs in einer gothischen Kirche in Gegenwart eines 
eines altern, nicht mehr zusagenden Bildes bedeutet. Dies wird dadurch ausser 
Zweifel gestellt, dass in einem ferneren Beschlusse vom 2. Juli 1454 erst die Ein- ' 
ziehung der „deniers ordonnes pour 1a fagon du tableau pour la grande chambre" 
angeordnet wird (Gazette des beaux arts, V01. XXI. (1866) p. 582). Man sammelte 
also zunächst an den Geldern und wird daher erst später zur Bestellung gekommen 
sein. Dies schliesst Johann van Eyck aus, giebt aber keine Berechtigung, an 
Roger van der Weyden (wie Wauters) oder an Dierick Bouts (wie Michiels III. 
p. 285 will) als damals berühmteste Meister zu denken. Waagen (Kunstbl. 1847 
S. 186 und Handbuch I.) hält das Bild für eine Jugendarbeit hlemlings. Passa- 
vant (in v. Quasfs Zeitschrift II. 17) und Crowe (a. a. O. I. 187) widersprechen 
dem, wie es scheint, mit vollem Rechte, eignen das Bild nun aber dem Hugo van 
der Goes zu, mit dessen einzigem bekannten Gemälde (dem in S. Maria nuova zu 
Florenz) es nach meiner Erinnerung nichts gemein hat. Weale (Le Beffroi Vol. III. 
p. 203) will es einem französischen Maler mit i-landrischem Einduss um 1480 zu- 
schreiben. Das Bild selbst verräth, besonders auch in der Landschaft, diese 
spätere Zeit und gehört einem Schüler oder Nachahmer Memlings an, der sich 
von ihm durch röthlichen Farbenton und minder vollkommene Zeichnung, besonders 
der Hände und Füsse, unterscheidet. 
1) Ausführliche Beschreibung derselben in Passavant: Kunstreise S. 387, der 
sie etwas zu hoch zu stellen scheint. Vgl. Hotho, Gesch. d. deutschen und niederl. 
Mal. II. S. 1,17 und Crowe a. a. O. II. 44. Zwei zu demselben Altar gehörige 
Bildchen sind von dem im Haag beündlichen getrennt, und waren im Besitze eines 
Herrn Beaucousin in Paris. De Laborde, Ducs de Bourgogne II. S. XLIV, hat in den 
Rechnungen des Klosters gefunden, dass ein gewisser Dyrick in den Jahren 1528 
und 1530 für daselbst ausgeführte Malereien bezahlt ist, allein diese Bilder müssen 
bedeutend älter sein. Michiels a. a. 0. III. 378, indem er eine Inschrift mittheilt, 
welche sich auf der in der Revolution eingeschmolzenen Einrahmtmg befunden 
habe, entnimmt daraus das Entstehungsjahr 1455 und behauptet, dass nach einer 
in den Klosterurkilnden enthaltenen Notiz ein „0uvrier de Valenciennes" diese 
Arbeit ausgeführt habe, wodurch er den oben bereits ausführlich erwähnten Simon 
Marmion bezeichnet glaubt.  
2) Waagen, Handbuch I. 100, erklärt sie für Jugendwerke des Dierick Bouts, 
was mir nicht wahrscheinlich ist.
        

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