Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173798
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des fünfzehnten J ahrhundcrts. 
Die niederländische Malerei am Schlusse 
den uns bekannten Bildern Mcmlings vorkommen, aber doch nicht so 
überwiegend. Die Figuren der Flügelbilder entsprechen der Natur 
mehr, als die der hlitteltafel, aber doch nicht in dem Grade wie sonst 
bei hflemling. Sie könnten allenfalls Jugendarbeiten von ihm sein, 
die er nachher durch bessere Natursturlien übertroffen; man könnte 
annehmen, dass das ganze aus Rogers Werkstätte hervorgegangen 
und der junge Memling beauftragt worden sei, die Flügel zu der von 
einem andern Gesellen ausgeführten Mitte zu malen; aber einen über- 
zeugenden Beweis dafür haben wir nicht 1). 
In einem Saale des Appelhofes zu Paris befindet sich eine grosse 
Tafel, auf welcher in fast zwei Drittel Lebensgrösse Christus am 
Kreuze schwebt zwischen Johannes und der von zwei Frauen be- 
gleiteten und unterstützten Jungfrau Maria, umgeben von vier Hei- 
ligen überwiegend französischer Bedeutung, nämlich Johannes Baptista, 
dann der heilige König Ludwig, St. Dionysius und Karl der Grosse. 
Im Hintergründe sieht man in einer bergigen Landschaft die Stadt 
Paris, kennbar durch mehrere noch jetzt erhaltene oder bekannte 
Gebäude, was also ergiebt, dass der Maler die französische Haupt- 
stadt genau gekannt oder das Bild hier ausgeführt hat. Das Ganze 
trägt den Charakter fiandrischer Schule, lässt aber den Meister un- 
gewiss. Man hat es von verschiedenen Seiten Johann van Eyck, 
Roger van der Weyden, Hugo van der Goes, Memling und Dierick 
Bouts zugeschrieben, allein keine dieser Annahmen ist hinlänglich 
begründet, und wir müssen uns damit begnügen, auch hier wieder 
ein Werk eines unbekannten flandrischen Meisters aus der zweiten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts zu besitzen 1). 
1) WVaagen schreibt den. ganzen Altar dem Memling zu, Crowe und Cavalca- 
selle wollen ihu sogar dem Dierick Bouts zuweisen (a. a. O. II. 77), mit dem 
wenigstens die Flügel gewiss gar nichts gemein haben. [Eine vermittelnde und 
vielleicht die zutreffende Ansicht dürfte sein, dass das interessante Altarchen, 
dessen Mittelbild übrigens keineswegs geringer als die Flügel erscheint, ein frühes, 
unter dem Einfluss des Dierick Bouts entstandenes Werk Memling's ist.] E. Förster, 
der in den Denkmalen der Bildnerei Bd. III. S. 11 ff. eine gute Abbildung giebt, 
erinnert an die obenerwähnte Nachricht, dass man Bilder Bogens gehabt habe, 
zu denen Memling die Flügel gemalt und ist geneigt, dies auch hier anzunehmen. 
1) Eine Abbildung des etwa 10 F uss breiten und 6 Fuss hohen Gemäldes bei 
Carton a. a. O. S. 137. Dieser schreibt es dem Johann van Eyck zu, eine An- 
nahme, die in jeder Beziehung unhaltbar ist und auch durch einige seitdem ent- 
deckte urkundliche Nachrichten ausgeschlossen wird. In einem Beschlusse des 
Parlaments vom J. 1452 wird nämlich verordnet, dass die Strafgelder der Gerichts- 
diener verwendet werden sollen zur "refection" des Gemäldes im Sitzungssaale 
(Wauters in der Revue universelle II. 25', welches dunkle Wort nicht die Restau- 
ration eines bereits vorhandenen, sondern die Herstellung eines neuen an Stelle
        

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