Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173780
Werke. 
Dem Memling beigelegte 
265 
Jahre (1494-1500) arbeitete und dafür mit der für damalige Zeiten 
gewaltigen Summe von 480 Livres Parisis bezahlt wurde. Auch 
scheint es, dass er der Aufgabe gewachsen war und sein Bild Beifall 
erlangte, da der Rath nach der Aufstellung desselben einen Vorhang 
von zwanzig Ellen grünen Taftes dazu machen liessl). Diese beiden 
Bilder können nun zwar mit dem bereits 1473, also vor ihrer Ent- 
Stehung, in der Marienkirche zu Danzig aufgestellten Gemälde nicht 
identisch sein, aber alle diese Fälle dürften uns zur Vorsicht be- 
stimmen und es rechtfertigen, wenn wir bei diesen und bei einer 
Reihe anderer Gemälde, welche man Memling zugeschrieben hat, es 
vorziehen, sie bis zur Entdeckung weiterer Nachrichten als Werke 
unbekannter Meister zu behandeln. 
Zu diesen dem Memling beigelegten, aber zweifelhaften Werken 
gehört zunächst der kleine Flügelaltar der Münchener Pinakothek 
(Kabinet Nro. 640-642, Höhe und Breite der Mitteltafel 1'  
welcher auf der Mitteltafel die Anbetung der Könige, auf den Flügeln 
aber die einzelnen Gestalten Johannes des Täufers und des h. Christo- 
phorus, auf den Rückseiten grau in Grau die hl. Katharina und Bar- 
bara enthält. Das Mittelbild ist dem Style Rogers van der Weyden 
verwandt, aber steif und ziemlich schwach, die Arbeit eines minder 
begabten Nachahmers oder Schülers; die Flügelbilder sind besser, 
augenscheinlich von anderer Hand und haben das Eigenthümliche, 
dass der landschaftliche Hintergrund mit besonderer Vorliebe und 
Ausführlichkeit behandelt ist. Besonders wirksam ist in dieser Be- 
ziehung das Bild des Christophorus, welcher, das liebliche Christkind 
auf seiner Schulter, mit festem Schritte die heftig bewegte Fluth 
eines mächtigen Stromes durchschreitet, der aus breiterem Bette 
herabiiicssend sich eben durch ein dunkles Felsenthor gedrängt hat 
und dabei die im Hintergründe aufgehende, jene heilige Scene mit 
goldigem Lichte bescheinende Sonne wiederspiegelt. Die andere 
Landschaft ist nicht minder ausgeführt und gelungen; ein enges Thal, 
das einem kleineren Flusse zum Durchgange dient, der zwischen Fels- 
stücken sich windet. Nach rückwärts sieht man auf bebautes Land und 
eine Stadt im Hintergründe, während diesseits desselben das zerstückelte 
Terrain offenbar die Wüste andeutet, in der Johannes mit dem Lamm 
auf seinem Arme einsam steht. Der Maler dieser Flügel scheint also 
mit Memling die landschaftliche Neigung getheilt zu haben, aber er 
äussert sie in etwas anderer Weise; er ist weniger mit der Natur ver- 
traut, gefällt sich in phantastischen Formen, die zwar zuweilen auch in 
de Busscher 
114.
        

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