Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173774
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Die niederländische Malerei am 
Schlusse des 
fünfzehnten Jahrhunderts. 
Bildes zu vermuthen, haben wir keinen Grund; sein Wohnort Valen- 
ciennes und die Betonung seiner Qualität als Miniaturmaler sprechen 
(lagegen. Aber seine Geschichte lehrt, dass selbst ein sehr verbrei- 
teter Ruhm damals nicht gegen rasches Vergessen schützte, und 
andere Umstände machen es wahrscheinlich, dass bei der damaligen 
Blüthe der Schule und bei der noch immer fortdauernden Gleicl1- 
gültigkeit der Schriftsteller gegen die Kunst oft sehr bedeutende 
Meister von diesem Schicksal betroffen wurden. Blieben ihre Bilder 
in Flandern, und blieben sie wenigstens bis zu den Zerstörungen in 
den Religionskriegen erhalten, so konnte die Tradition über den Ur- 
heber daran anknüpfen. War aber das Bild in das Ausland gegan- 
gen, war der Künstler vielleicht frühe verstorben, oder selbst aus- 
gewandert, so erlosch auch das Gedächtniss seines Namens sehr 
bald 1). Eine umfangreiche Darstellung des jüngsten Gerichts gehört 
zu den schwierigsten Aufgaben der Kunst, und man darf voraussetzen, 
dass die städtischen Behörden sich bei diesem Gegenstande nur an 
bewährte, rülnnlichst bekannte Künstler gewendet haben. Dennoch 
finden wir dies wiederholt bei Künstlernamen, von denen wir ausser 
der dürren Zahlungsnotiz in den städtischen Rechnungen keine Nach- 
richt besitzen. Dies ist der Fall mit einem Meister zu Oudenaerde, 
der schlechtweg als Hendric de Scildere, als Heinrich der Maler, be- 
zeichnet wird und auch Fahnen und sonstige handwerkliche Malereien 
für die Stadt liefert, dann aber im Jahre 1478 die Bestellung eines 
grossen Gemäldes des jüngsten Gerichts für das Gerichtszimmer des 
Rathhauses erhältg). Noch umfangreicher muss die Darstellung des- 
selben Gegenstandes in der Schöffenkammei- zu Gent gewesen sein, 
an welcher ein dortiger Meister Cornelis van der Goux oder Goes, 
vielleicht ein Verwandter des Hugo van der Goes, sechs bis sieben 
denen er diese Gesinnung entdeckt, zuzuschreiben. Er vergisst dabei, dass nicht 
die Künstler, sondern die Besteller die Gegenstände bestimmten, und dass die 
Vorliebe für schanerliche Vorstellungen auf Grabdenkmälern danaals sehr ver- 
breitet war. 
1) Von dem Juan (Johann) Flamenco, der zufolge der genauen und" also 
ohne Zweifel aus schriftlichen Ueberlieferungen gezogenen Mittheilungen, welche 
der Reisende Ponz im Kloster zu Miraflores erhielt (Ponz, Viage de Espaüß XII. 
p. 55), (laselbst von 1496 bis 1499 für sehr hohen Preis arbeitete, wissen wir in 
den Niederlanden, da Memling früher gestorben war, keine Spur zu finden. Eben- 
so wenig von dem Golin de Cotcr, der auf einem jetzt übermalten aber doch 
als altdandrisch erkennbaren Bilde in der Dorfkirche zu Vieure bei Moulins im 
Bourbonnois seinen Namen mit dem Zusatze nennt: pingit me in Brabancia. 
Brusselle VII.    Vgl. De Laborde, Ducs de Bourgogne II. 2 Indroduction p.LI. 
2) Vgl. De Laborde, Ducs de Bourgogne II. 2 p. 397.
        

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