Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173766
Simon Marmion. 
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den Schmuck der Bücher vorausschicktl). Auch finden wir in den 
Rechnungen Philipps des Guten, dass dieser bei ihm ein mit Male- 
reien geschinücktes Breviariuin und zwar für einen sehr hohen Preis 
bestellte, wobei der rechnungführende Beamte "Marmion geradezu als 
vßchreiber", d. h. als Inhaber einer Schreiberwerkstätte, bezeichnet?) 
Jedenfalls indessen beschränkte er sich nicht auf Miniaturen; nicht 
bloss ergiebt sich dies aus den Worten der Grabschrift, sondern wir 
wissen auch anderweitig von mehreren grösseren Gemälden seiner Hand. 
Ausser den bereits erwähnten Bildern in Amiens und in Löwen und 
dem Altargemälde der Lucaskapelle zu Valenciennes, das in der 
Grabschrift und in anderen gleichzeitigen Schriften rühmend erwähnt 
ist, besass auch die Johanniskirche dieses seines Wohnortes mehrere 
Gemälde von ihm, deren Untergang bei einem Brande im Jahre 1520 
beklagt wurde. Leider aber ist auch nicht ein einziges beglaubigtes 
Werk von ihm erhalten, das uns einen Anhaltspunkt für weitere 
Forschungen gewähren könnteß). In ihm den Urheber des Danziger 
1) J'ay decore par art et sens acquis  Livres, tableaux, chappelles et autels 
- Telz que pour lors ne sont guerre de tels. 
2) De Laborde a. a. O. p. 496 Nr. 1922. A Simon Marmion, escripvain, demon- 
rant a Valenchiennes, la somme de 100 livres que mon dit Seigneur luy a fait 
delivrer comptant sur les ouvraiges et estoifes-quil doit faire a ystorier, enluminer 
et mectre en fourme ung breviare. Er arbeitete daran 3 Jahre (1467-1470) und 
scheint dafür im Ganzen die bei dem damaligen Geldwerthe sehr bedeutende 
Summe von 490 Livres 15 Sous empfangen zu haben. Michiels a. a. O. p. 382. 
Dieser Schriftsteller vermuthet, dass dies das Breviarium der königlichen Bibliothek 
im Haag sein werde, welches, wie das wiederholt angebrachte Bildniss und Motto 
Philippls erweist, für ihn gemalt und mit sehr zahlreichen, aber grau in Grau 
ausgeführten, sehr feinen und ausdrucksvollen Miniaturen geschmückt ist, und bei 
dem Passavant (im Kunstbl. 1841 S. 35) und Waagen (Handbuch I. 133) eine Mit- 
wirkung Memlings angenommen haben, welche mir indessen durch die mangelhafte 
Behandlung der Landschaft ausgeschlossen scheint. Ob dies das in Marmionls 
Werkstatt ausgeführte Buch sei, muss dahingestellt bleiben. Die bescheidene Be- 
handlungsart scheint dem hohen Preise nicht zu entsprechen, und jedenfalls liegt 
auch nicht die Spur eines Beweises dafür vor. 
ß) Michiels a. a. O. weist ihm eine Reihe von Bildern zu. Darunter auch die 
obenerwähnten Gemälde mit dem Leben des h. Bertin aus der gleichnamigen Abtei 
in St. Omer, bei denen durch eine Inschrift die Entstehung im Jahre 1455 und 
durch eine Notiz in den Papieren des Klosters die Anfertigung durch einen „Ar- 
beiter aus Valenciennes" festgestellt sei. Da Marmion im Jahre 1455 noch nicht 
in Valenciennes wohnte, und seine Geburt in dieser Stadt nicht erwiesen ist, so 
ist dieser Beweis hinfällig. Noch Schwächer sind die Gründe bei den anderen 
Bildern. Herr Michiels glaubt aus den schwülstigen YVortspielen der Grabschrift 
entnehmen zu dürfen, dass Simon Marmion ein schwermüthiger, von, Todesgedanken 
erfüllter Künstler gewesen und hält sich dadurch berechtigt, ihm Bilder, in
        

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