Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173710
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Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Die niederländische Malerei am 
durch die l-lammenbeleuchtete Nacht der Hölle geschleudert werden, 
sehr viel grösser, als die jener in feierlicher Ruhe Wandelnden, sondern 
er hat sich auch bemüht, in ihnen die verschiedenen Grade der Ver- 
zweiflung, des Trotzes, des Klagens, die Eigenthümlichkeit der Ge- 
schlechter, Lebensalter und Charaktere anschaulich zu machen. Die 
Teufel, die meistens bei thierischen Köpfen schlanke menschliche, oft 
broncefarb ene Körper mit glänzenden Schlangenschweifen und Schmetter- 
lingsflügeln haben, und die Verdammten, Welche händeringend und 
weinend, herabstürzend, wieder aufklimmend, sich stemmend, in den 
kühnsten und mannigfaltigsten Bewegungen über dem bodenlosen Ab- 
grunde schweben, bilden zahlreiche spannende Gruppen, die noch frei 
von den burlesken Uebertreibungen der späteren Meister einen ernsten 
Eindruck machen, und unter denen einzelne höchst ergreifende Ge- 
stalten vorkommen, die sich der Phantasie tief einprägen. Aber die 
vielen stürzenden Gestalten, die sich verinöge der hellen Farbe des 
Nackten grell von der Dunkelheit abheben und Arme und Beine in 
mannigfaltigen, eckigen Wendungen strecken, geben an sich ein un- 
ruhiges Bild, dessen wesentlichstes Verdienst darin besteht, der para- 
diesischen Ruhe und Würde des andern Flügels.als Folie zu dienen. 
Neben diesen Gestalten des Paradieses und der Hölle-sind die 
des Weltrichters und der Apostel weniger befriedigend; sie tragen 
meist alltägliche, spiessbürgerliche Gesichter und sind im Ausdrucke 
linkisch oder matt. Selbst Christus in den typischen Zügen, aber in 
ziemlich steifer Haltung, ist nicht bedeutend genug. Man muss dahin- 
gestellt sein lassen, ob die Phantasie des Meisters hier nicht weiter 
reichte, oder 0b er glaubte, sich hier in den Schranken des Her- 
kommens halten zu müssen und seinem Publikum Heiligkeit nur in 
der Gestalt bürgerlicher Ehrbarkeit viorstellen zu dürfen. Maria da- 
gegen ist eine liebliche, (lemüthige Gestalt, und die Engel sind fast 
durchweg von hoher, strenger Schönheit. Hinter dem Haupte Christi 
ist Goldgrund, der hier in jeder Beziehung günstig wirkt und in Ver- 
bindung mit dem spiegelnden Panzer des Erzengels der Mitte des 
Bildes eine leuchtende Kraft giebt, welche dazu dient, die scharfen 
Gegensätze der beiden Flügelbilder auszugleichen und zu einem har- 
monischen Ganzen zu verbinden, das in der That eine der reichsten 
und schönsten Darstellungen des gewaltigen Gegenstandes giebt. 
Die Aussenseiten der Flügel zeigen grau in grau die in Nischen 
aufgestellten Standbilder der Jungfrau mit dem Kinde und des hl. 
Michael, jene etwas steif und trocken, dieser von ritterlicher Haltung 
und grosser Schönheit, und darunter die zum Theil übermalten, knieen- 
den Gestalten des Stifters und seiner Gemahlin.
        

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