Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173589
Turin u. 
München, 
Bilder Memling's in Madrid, 
245 
leuchtet. Auf den Flügeln knieen die Stifter, Mann und Frau mit 
zahlreichen Söhnen und Töchtern, von ihren Schutzpatronen begleitet. 
Die Aussenbilder, St. Johann Baptista und St. Georg, grau in grau, 
scheinen später übermalt. Auch die Innenbilder haben durch Restau- 
ration gelitten, indessen ist die Hand des Meisters nicht zu ver- 
kennen; das Christkind ist bedeutender als auf irgend einem Bilde 
dieser Schule, der Kopf des körperstarken Heiligen, der unter der 
unerwarteten Last schwer athmend, mit geöffnetem Munde zu dem 
gewichtigen Kindlein hinaufblickt, höchst charakteristisch, besonders 
auch die Landschaft vortrefflich und weich ausgeführt. Auf dem alten 
Rahmen des Mittelbildes sowohl wie eines Flügels findet sich die 
Jahreszahl 1484 mit Ziffern geschrieben.  
Die erwähnten, in Brügge befindlichen Gemälde Memlings sind 
die einzigen, bei welchen seine Urheberschaft durch eigne Inschrift 
oder durch alte und glaubhafte Tradition feststeht. Bei allen übrigen 
sind wir darauf angewiesen, sie nach der Stylverwantltschaft zu er- 
kennen, wobei denn jene Bilder in Brügge die vorzüglichste Grund- 
lage für die Beurtheilung geben. Zuerst ist neben diesen der Reisealtar 
Kaiser Karls V. im Museum zu Ma d ri d aufzuführen, weil er eine Wieder- 
holung, freilich in bedeutend grösserer Dimension, jenes kleinen im 
Hospital zu Brügge bewahrten und mit hiemlings Namen und der 
Jahreszahl 1479 bezeichneten Flügelbildes und nach dem Urtheile 
der Kenner von der Hand des Meisters selbst einige Jahre später 
gefertigt istl); Die Gegenstände, Anbetung der Könige, Geburt und 
Präsentation im Tempel, sind dieselben und im Wesentlichen in der- 
selben Weise mit geringen Aenderungen dargestellt. Die Figuren 
haben aber hier fast ein Drittel der Lebensgrösse. Die statuarisch 
gehaltenen Aussenbilder sind von späterer Handil). 
Demnächst ist eine Reihe von grösseren oder kleineren, aber 
sammtlich miniaturartig ausgeführten Bildern zu nennen, in denen 
sich die Eigenthümlichkeit des Urhebers des Ursulakastens unver- 
kennbar zeigt. Das umfangreichste derselben ist die berühmte Tafel 
der Münchener Pinakothek (Nro. 665) mit den Freuden der Maria. 
Es enthält nämlich bei einer Breite von 6 um einefmwüion 
1) Vgl. Passavant, Spanien S. .130 und Waagen, in v. Zahn's Jahrbücher für 
Kunstwissenschaft I. S. 48. . 
2) Hie,- mag denn auch das von Passavant im Kunstbl. 1843 Nro. 62 zuerst 
ßPWähnte Bild mit einer dem Johannesaltare verwandten Darstellung der Vermäh- 
lung der h. Katharina genannt werden, welches sich im Museum zu Strassburg 
befand und leider mit demselben untergegangen ist. Es war ein sehr liebliches 
Bild und unzweifelhaft von der Hand unsres Meisters.
        

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