Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173550
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Blalerei am Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Die niederländische 
Heiligen hatte ihr nicht genügt. Auch unser Meister gab sich dem 
nicht einseitig hin; er suchte nur diesem mehr vernachlässigten Ele- 
mente seine Stelle neben dem andern vorherrschenden zu vindiciren. 
Unmittelbar neben jener reizenden Gruppe stehen in strenger, auf- 
rechter Haltung, wie wir sie in der Schule Rogers gewohnt sind, die 
ernsten Gestalten der beiden Johannes, des Busspredigers und des 
Verkündigers der letzten Dinge, hinter ihnen lesen wir vermittelst 
der kleineren, der Landschaft eingefügten Bilder ihre Geschichte, 
die Geschichte ihrer körperlichen Leiden und geistigen Siege, deren 
letztes Stadium sich dann auf den Flügeln wieder in grosser Dimen- 
sion und in voller_ Entwickelung zeigt. Hier die Enthauptung des 
Täufers, diese ergreifende thatsachliche Predigt gegen Sünde und 
Leichtsinn, dort die apokalyptische Vision. Alle diese Gegensätze 
sind dann aber wie in einem mächtigen Grundaccord zusammengefasst 
durch die Landschaft, welche zwischen den Säulen der Halle, in 
welcher die Himmelskönigin thront, über der Stadt, in welcher der 
Täufer den Tod erleidet, hervortritt, und selbst mit jener Vision im 
Zusammenhange steht, indem sich die himmlischen und irdischen 
Hergänge derselben in dem Meere spiegeln, das auch die Insel Path- 
mos umspült. Obgleich die inhaltreiche Composition dem Meister 
keinen Raum zu einem ununterbrochenen Landschaftsbilde gestattete, 
wird gerade durch die Wiederkehr der Linien in Wald und Feld, 
sobald sich eine Durchsicht öffnet, die Einheit der Alles umfassenden, 
Alles tragenden Natur recht anschaulich. Noch mehr aber ist das 
Ganze verschmolzen durch die vortrefflich gediegene Ausführung, 
durch die gleichartige, naturgemasse Formengebung und Modellirung, 
durch die schlichte und doch edle Gewandbehandlung und vor Allem 
durch die kräftige und harmonische Fitrbung. Selbst das fremdartige, 
röthliche Licht auf jener wunderbaren, Hiiumel und Erde umfassen- 
den apokalyptischen Erscheinung ist durch den Glanz des Meeres 
in dem sie sich spiegelt, ausgeglichen und wieder in das Natürliche 
übergeführt. Wir fühlen uns ganz auf dem Boden der heimischen, 
bekannten Natur, aber wir erkennen in ihr den Wiederschein des von 
Gott ausgehenden Lichtes. 
 Für die Zeitbestimmung dieses grossen Werkes kann uns viel-. 
leicht ein kleines, jetzt ebenfalls im Hospital St. Johann aufgestelltes 
Diptychon dienen, welches auf der einen Tafel, wie die Inschrift uns 
belehrt, das Bildniss des Martinus von Newenhoven in seinem 23. Jahre 
und im Jahre des Herrn 1487, auf der andern aber die Jungfrau 
mit dem Kinde unter Blumen und prachtvollem Schmucke darstellt. 
Den Namen unseres Meisters nennt die Inschrift zwar nicht, aber die
        

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