Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173535
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am 
Die niederländische Malerei 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse 
auf die Verlobungsscene hinblickend, der andere, zwischen Barbara 
und der Madonna knieend, hält dieser ein Buch mit goldnem Schnitte 
entgegen, auf das ihr Auge andächtig gerichtet ist. Noch innerhalb 
der Halle hinter den heiligen Frauen stehen dann die beiden Johannes, 
zur Rechten der Jungfrau der Täufer, dieses Mal nicht wie gewöhnlich 
das Lamm tragend, sondern von demselben begleitet, zur Linken der 
Evangelist, den Becher mit dem in eine Schlange verwandelten Gifte 
in der Hand haltend. Durch die Bogengänge der Halle blickt man 
zu beiden Seiten des Thrones in eine köstliche Landschaft mit wal- 
digen Bergen, sonnigen Ebenen, hellem, aus Felsen hervortretenden 
Strome, einer Stadt mit einem römischen Amphitheater und endlich 
mit Episoden aus der Geschichte hier des einen, dort des andern 
Johannes 1). Landschaft und epische Darstellung setzen sich auf den 
Seitentafeln fort, wo wir dann auf der einen Seite ganz oben im 
fernenHintergrunde die Taufe Christi im Jordan, dann mehr im Vor- 
grunde innerhalb einer städtischen Strasse das Festmahl im Schlosse 
des Herodes mit Spielleuten und der tanzenden Tochter, und endlich 
ganz vorne das hiartyrium des Heiligen erblicken. Das Blut spritzt 
noch aus der Wunde und der Henker legt in Gegenwart verlegen 
dreinschauender Hofleute das Haupt dem jungen Mädchen, welches 
sein bleiches aber ausdrucksloses Gesicht leicht abwendet, auf die 
hingehaltene Schüssel. In der Landschaft- der andern Seite sieht man 
noch auf dem Hauptbilde die Marter des Evangelisten Johannes, der 
in siedendem Oele betend steht und weiter unten den Kahn, der ihn 
nach Pathmos führen soll, wo wir ihn dann auf der Seitentafel finden 
und zwar in dem Augenblicke, wo sich ihm der Himmel öffnet und 
die apokalyptische Vision zeigt. Der Apostel sitzt nämlich ganz unten 
zur Rechten des Beschauers auf dem F elseneiland, das Buch auf dem 
Schoosse, die Feder in der Hand, mit andächtigem Ausdrucke nach 
oben schauend, während wir oben in der diagonal entgegengesetzten 
Ecke in einer Glorie glänzenden Lichtes den Herrn sehen auf gothi- 
schem Throne. An seine Kniee schmiegt sich das Lamm, rings um- 
her die vier Symbole der Evangelisten, und endlich die Aeltesten in 
weissen Kleidern mit Kronen auf den Häuptern und Harfen in 
der Hand. Unter dem Regenbogen, der diese himmlische Er- 
scheinung umgrenzt, sehen wir dann wieder die feste Erde, auf ihr 
1) Die beigefügte kleine Zeichnung der Mitteltafel macht natürlich keine weiteren 
Ansprüche, als die der Versinnlichung der Anordnung. Die ZCiChUIIIIg beiFörster 
ist auf jeder Seite um die äussersten Heiler der Halle und also den Einblick in 
die Landschaft verkürzt.   
        

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