Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173494
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Die niederländisbhe 
Malerei am Schlusse 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Am 10. Dez. 1495 war er selbst verstorben, da die Vormünder nun- 
mehr über die denselben vom Vater angefallene Erbschaft und über 
den Erlös der Mobilien berichten 1). Der Todestag wird nicht an- 
gegeben; man darf annehmen, dass er noch innerhalb des Jahres 
1495 liegt. Auch über sein Alter wissen wir nichts Näheres. In der 
Sammlung des Cardinals Grimaldi zu Venedig schrieb man ihm im 
Jahre 1521, wie wir durch den Bericht des Anonymus des Morelli 
wissen, zwei Porträts zu, das eine die Herzogin Isabella, Gemahlin 
Philipps des Guten darstellend, angeblich 1450 gemalt, das andere 
sein eignes Bild, das ihn im Alter von etwa 65 Jahren zeigte. Beide 
Angaben stimmen zwar wohl mit einander, aber nicht mit den ur- 
kundlichen Nachrichten überein. Da wir ihn im Jahre 1459 noch 
als jungen Schüler Bogens mit geringen Arbeiten beschäftigt ünden, 
ist es nicht denkbar, dass man ihm im Jahre 1450 das Porträt der 
Herzogin anvertraut und dass er bei seinem Tode 1495 das fünfund- 
sechszigste Jahr tiberschritten hatte. 
Die Betrachtung seiner Werke beginnen wir am besten mit dem 
reichen Schatze derselben, welchen das Hospital St. Johann zu Brügge 
besitzt, weil sich unter ihnen die einzigen mit Namensinschrift und 
Datum versehenen befinden und auch bei den andern der Umstand, 
dass sie ursprünglich für dieses Hospital gemalt sind, der Tradition 
über den Maler grössere Glaubhaftigkeit verleiheti). 
Zuerst ist hier ein kleines Flügelbild zu nennen (22 Zoll bin, 
18 Zoll hoch), das auf der Mitteltafel die Anbetung der Könige, auf 
den Flügeln die Geburt Christi und die Präsentation im Tempel (Fig. 17), 
auf den Aussenseiten Johannes den Täufer und die h. Veronica (Fig. 18) 
enthält. Die Inschrift besagt, dass ein Mitglied der Brüderschaft Jan 
Floreins alias van der Riist dies Werk machen lassen und schliesst 
dann mit der Jahreszahl 1479 und den Worten: Opus Johannis 
Memling. Das kleine Bild hat nicht die Kraft der Farbe, die wir 
auf, anderen Bildern des Meisters finden, es ist leichter und in 
bleicherem Tone gemalt, aber überaus lieblich und voller Anmuth; 
man möchte sagen, dass es einen jugendlichen Reiz hat. Die Dar- 
bringung im Tempel erinnert stark an die Composition Rogers 
1) Alle diese Nachrichten beruhen auf den archivalischen Forschungen von 
Weale. Vor denselben hatte man nur die von Garten, Les trois freres van Eyck 
S. 99 publicirte Notiz, dass im Jahre 1499 (in den Rechnungen der Buchhändler- 
innung) von ihm als einem Verstorbenen gesprochen wird.  
2) Vgl. darüber Passavant, Kunstreise S. 240 5., 11161118 Niederländischen 
Briefe S. 349 ff. und TVaagen im Kunstblatt 1854 S. 176 ff. 
        

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