Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173484
Urkundliche Nachrichten über Memling. 
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gegen dürfen wir als erwiesen annehmen, dass er die Kunst in der 
Werkstätte Rogers van der Weyden gelernt habe; Vasari wiederholt 
diese Nachricht drei Mal; jedes Mal, wenn er Roger nennt, fügt er 
hinzu, dass Ausse oder Hanesse (wie er den Namen Hans verstüm- 
melt) sein Schüler gewesen 1). Auch haben wir urkundliche Nach- 
richten, die darauf schliessen lassen. Im Jahre 1459 erscheint der 
"junge Maler Hans" noch als ein untergeordneter Gehülfe, der an 
einem grossen, für das Kloster Saint Aubert in Cambray von Roger 
gemalten Bilde den Rahmen anstrich und dafür eine Bezahlung er- 
hieltg). Bald darauf aber übertrug ihm der Meister zu einem von 
ihm ausgeführten Bilde die Malerei der Flügelß). Nach dem Tode 
R0ger's verlieren wir ihn aus den Augen; vielleicht dass er nun 
auf die Wanderschaft ging. Dass er in Italien gewesen, wie man 
behauptet hat, ist unerwiesen und unwahrscheinlich, gewiss aber, dass 
er Deutschland, namentlich Köln und Basel kannte, da er beide Städte 
auf dem Ursulakasten sehr richtig darstellte. Im Jahre 1478 finden 
wir ihn in Brügge, wo er für die Gilde der Buchhändler ein Bild 
um sehr geringen Preis malte; 1479 wurde er Mitglied der Lucas- 
gilde und kommt nun häufig in städtischen Urkunden vor, und zwar 
als ein wohlhabender Mann, der mehrere Häuser besitzt und sich 
1480 bei einem Darlehen an die Stadt betheiligt. Im Jahre 1487 
starb seine Ehefrau; die Vormünder seiner Kinder melden dem Ge- 
richte den denselben vom Vater ausgeschichteten Vermögensantheil. 
den Brügger Urkunden der Name zwei Mal Hans von Memmingen lautet, steht 
doch die Schreibart des Namens Memling auf den Bildern selbst der behaupteten 
Identität entgegen, die sich auch mit dem Schülerverhaltnisse Mem1ing's zu Roger 
van der Weyden und mit den Ausdrücken der beiden Theilungsacte nicht wohl 
vereinigen lässt.  Weale in der oben angeführten Schrift S. 11-17 hält es für 
wahrscheinlich, dass er vom Rheine aus der Gegend von Geldern stamme. 
1) In der Einleitung, im Leben des Antonello da Messina und in dem Zusatz- 
kapitel der zweiten Ausgabe. Vasari ed. Le Monnier I. 163. IV. 76. XIII. 148. 
2) Vgl. die Auszüge aus der Klosterrechnung bei de Laborde, Ducs de Bour- 
gogne, Introd. p. 59. Zahlung erhalten Roger für das Bild selbst (80 Goldritter); 
die Frau des Malers und einige Knechte für die Begleitung und den Transport 
zwei Goldthaler. Die Handwerker für Einrahmung, Belederung, Aufstellung und 
endlich Hayne, jone pointre, pour poindre autour du dit tabliau le liste (die Leiste) 
et le deseure (doch wohl die Aussenseite der Thüren) 60 Sols du nostre. 
3) De Laborde, Inventaire des tableaux etc. de Marguärite d'Autriche p. 24. 
Die betreffende Stelle aus dem Inventar von 1516, wonach das Hauptbild von 
Rogefs, die Flügelbilder von der Hand "des Meisters Hans" sind, ist bereits im 
vorigen Kapitel (S. 193 Anm. 1) abgedruckt. Man legte im Jahre 1516, wo Mem- 
ling's Name ein gefeierter war, auf diese seine Mitwirkung bei dem Werke seines 
Meisters grossen Werth.
        

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