Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173476
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Malerei am 
Die niederländische 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse 
dies wiederlegt und richtige, wenn auch noch nicht erschöpfende 
Kunde von ihm gebrachtl). Jahr und Ort seiner Geburt sind noch 
immer unbekannt; die städtischen Urkunden von Brügge geben keine 
Spur, dass eine Familie seines Namens dort bestand, es ist daher wahr- 
scheinlich, dass er von ausserhalb hingezogen 2). Sein Vornamen wird 
fast nie in der in den Niederlanden üblichen Form Jan, sondern stets 
nach deutscher Weise: Hans geschriebeng). Indessen sind haltbare 
Beweise über seine deutsche Abstammung nicht beigebrachtä. Da- 
I 
1) Die Schreibart seines Familiennamens ist (wie das in dieser Zeit sehr häufig 
vorkommt) wechselnd, z. B. Memlink, Memlync, Memelinc, Memmelinc, Merlinc, 
Meenlync, Meynlinc, auch van Memlynk und zwei Mal sogar van Memmingen. 
2) Dass van Mander und Lemaire in der Couronne margaritique (Pinchart zu 
Crowe II. p. 222) ihn „v0n Brügge" nennen, beweist natürlich nichts für seine 
Geburt, und der Umstand, dass das Johannishospital nur Eingeborene oder Leute 
aus Maldeghem aufgenommen habe, hat keine Bedeutung, da eben seine Aufnahme 
in diesem Hospital eine unerwiesene Sage ist. 
3) Bemerkenswerth ist, dass er einmal sogar (bei Weale a. a. O. S. 48) Meester 
Jan Han s de scildere genannt wird, also in beiden Sprachen, gleichsam mit einer 
Uebersetzung der fremden Form. Die Form Hans kommt (wie Weale bemerkt) 
in dem Archive von Brügge nur drei Mal vor und immer bei Deutschen. In der 
Rolle der Genter Malerzunft führen 17 Maler diesen Namen, aber sammtlich 
Fremde, Deutsche, Holländer, Friesen oder doch Belgier, die im Auslande wohnen. 
Dazu kommt denn, dass der fiandrische Geschichtschreiber van Vaernewyck unter 
den Malern, deren Werke man in Brügge zahlreich fände, neben Hugo van der 
Goes und Roger „den duytschen Hans" nennt, was (wie Ruelens zu Crowe II. 
p. 152 ausführt) nur auf Memling bezogen werden kann. Weale vermuthet daher, 
dass dieser deutschen Ursprungs gewesen. Darauf könnte auch der Umstand 
deuten, dass er selbst seinen Namen mit deutscher Endung: Memling schreibt, 
während die Urkunden ihm die der fiandrischen Sprache mehr zusagende Endung: 
inc geben. 
 4) Die Annahme, dass er aus Constanz stamme, die eine Zeit lang viel er- 
örteit wurde, knüpfte sich an den Familiennamen: Hemling, den man dort ent- 
deckt hatte und, fallt also jetzt fort. Später hat Wolfgang Müller (Kölnische 
Zeitung 1861 Nro. 346) die Vermuthung aufgestellt, dass unser Meister identisch 
sei mit einem Hans von Memmingen, der (nach Merlo, Nachrichten von Köln. 
Künstlern S. 134) in Köln ansässig war und mit seiner Ehefrau Margaretha in 
Urkunden von'1453 bis 1456 wiederholt vorkommt, dann aber verschwindet und 
erst wieder 1491, nun aber als verstorben erwähnt wird, indem die Kinder dieser 
Eheleute die von diesen hinterlassenen Grundstücke unter sich vertheilen. Man 
könnte hiernach annehmen, dass Meister Hans bald nach 1456 nach Brügge ver- 
zogen sei, während seine Kinder dort geblieben und seine Grundstücke unverkauft 
erst nach seinem Tode unter dieselben vertheilt seien. Die Brüggischen Ur- 
kunden widerlegen diese Vermuthung nicht gerade; er wird erst 1477 genannt, 
kann seine dortige Ehefrau Anna nach dem Tode jener Margaretha geheirathet 
haben, und sein Tod, von dem wir nur wissen, dass er zwischen 1487 und 1495 
fallt, kann möglicherweise schon vor 1491 eingetreten sein. Allein, wenn auch in
        

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