Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173465
Hans Llemling. 
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Lebensgeschichte war bis vor Kurzem noch im höchsten Grade un- 
sicher und verdunkelt. Bald nach seinem Tode war er hochberühmt; 
die Notizen des unbekannten italienischen Kunstfreundes, welche 
Morelli herausgegeben hat, beweisen, dass sein Name im Anfange 
des 16. Jahrhunderts in Italien den besten Klang hatte, in den Samm- 
lungen stark vertreten war und schon durch die Gewinnsucht der 
Kunsthändler Werken beigelegt wurde, denen er nicht zukam 1). Auch 
Vasari erwähnt ihn mehrere Male in einer Weise, die seinen Ruhm 
durchblicken lasst. Aber schon van Mander weiss nur wenige Worte 
von ihm zu sagen und scheint von seinen Werken nichts als den 
Ursulakasten gekannt zu haben 2). Selbst sein Name war zweifelhaft; 
auf seinen Bildern schreibt er ihn zwar so, wie ich ihn angegeben, 
aber mit einer ungewöhnlichen Form des Anfangsbuchstabens, welche 
veranlasste, dass man ihn für ein H ansah und die älteren Schrift- 
steller, bei denen der Name mit M begann, für schlecht unter- 
richtet hieltß). Ebenso unrichtig wie dies war auch das, was man 
von seiner Lebensgeschichte erzählte. Er sollte nämlich Soldat im 
Heere Karls des Kühnen gewesen, nach der Niederlage bei Nancy 
aber krank nach Brügge zurückgekehrt und im Hospitale St. Johann 
daselbst aufgenommen und hergestellt worden sein, wofür er dann 
durch die zahlreichen, in demselben befindlichen Gemälde seine Dank- 
barkeit bezeugt habe. Die neueren archivalischen Forschungen haben 
dem Archiv von Brügge verdanken wir dem Engländer James Weale, der darüber 
zuerst in dem Journal des beaux arts et de la literature, V01. III. Bruxelles 1861, 
S. 71 ff. und demnächst im Journal: Le Beffroi, V01. II. p. 179 ff., 196 ff. und 
a. a. O. berichtet hat. Vgl. einen Auszug daraus in seinem Catalogue du Musee 
de PAcademie de Bruges, 1861 p. 20 und endlich die kleine Schrift: Hans Mem- 
linc, zijn leven en zijne Schilderwerken, Brügge 1871.  indess zur Lebens- 
geschickte Memlingis auch die Auffassung des Brüsseler ltluseumskatalogs], 
1) Morelli, Notizie, nennt ihn fünf Mal, einige Male bei Bildern, deren Be- 
schreibung schon erhebliche Zweifel an Memlingls Urheberschaft erweckt, unter 
andern auch bei dem Breviarium Grimani, von dem weiter unten die Rede sein wird. 
2) Schilderboeck ed. 1604 fol. 204. 
3) Van Mander nennt ihn Hans Memelinck, der Anonymus des Morelli Zuan 
Memelino, der Kupferstecher Goltzius auf einem Stiche von 1656: Joan. Memelinck. 
Sanderus in seiner Flandria illustrata ist der erste, welcher den Anfangsbuchstaben 
des Namens: H liest, doch erst Descamps: Vie des peintres Flamands, 1753 Vol. I. 
p. 12 erklärt ausdrücklich, dass die Schreibart Hemmelinck die richtigere sei. 
Weale, Hans Memlinc p. 8. Auf den Bildern schreibt der Meister selbst seinen 
Namen JTIEMLING und dies bestimmte Viele, unter Andern mich selbst in den 
Niederländischen Briefen (1834) S. 357, die Lesart Hemling vorzuziehen. Indessen 
ist jene ungewöhnliche Form des M. (und zwar wie hier abwechselnd mit der ge- 
wöhnlichen) in vielen Urkunden nachgewiesen, und die jetzt vorgefundenen urkund- 
lichen Notizen lassen keinen Zweifel, dass sein Name mit einem M anting.
        

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