Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173440
Künstlerische Eigenart des Meisters. 
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innigeren Verschmelzung. Er weiss dies zu benutzen, um eine dem 
Gegenstande entsprechende Stimmung hervorzubringen. Daher die 
grosse Verschiedenheit seiner Bilder; wie ganz anders wirkt das ruhige 
Licht des geschlossenen Innenraumes auf dem Abendmahl, das Dämmer- 
licht auf jener von schwachem Monde beschienenen Gefangennehmung, 
gegenüber dem grellen Tageslichte, in welchem er jene schreienden 
legendarischen liiergänge im Rathhaussaale darstellte. Dies alles 
wirkte dann ganz besonders auf die Landschaft. Molanus, der Ge- 
lehrte aus Löwen, von dessen Aufzeichnungen wir schon gesprochen 
haben, rühmt unsern Dierick geradezu als Erfinder der Landschafts- 
malerei (Claruit inventor in describendo rure). Das ist nun freilich 
zu viel gesagt; die Eycläs hatten entschieden den ersten Anfang ge- 
macht. Aber es ist richtig, dass er ihr eine höhere Bedeutung gab. 
Indem er auf die Häufung reizender Einzelheiten, auf die über das 
natürliche Maass gesteigerte Klarheit der Ferne, wie sie noch Roger 
geliebt hatte, verzichtete, und statt dessen die Wirkungen der Luft- 
perspective besser beobachtete und weichere Uebergänge hervorbrachte, 
wurde bei ihm die Landschaft wirklich ein Ganzes und konnte eine 
dem Gegenstande entsprechende Stimmung erwecken. Mehrere der 
Landschaften auf den Flügelbilrlern des Abendmahlaltares geben da- 
von den rollen BGWGlS. Es scheint, und eine glaubhaft überlieferte 
Nachricht bestätigt es, dass er schon wirklich landschaftliche Studien 
nach der Natur gemacht hatte. Der Herausgeber einer im Jahre 
1609 erschienenen französischen Uebersetzung des bekannten Werkes 
von Guicciardini erzählt nämlich von einem Bilde unseres Meisters 
mit der Geschichte des h. Bavon, das er bei einem Kunstfreunde 
von Harlem gesehen habe und das aus einem Kloster derselben 
Stadt herstamme, auf welchem die Landschaft beliebte Stellen aus 
der Umgebung von Harlem, namentlich auch einen gewissen hohlen 
Baum erkennen lassel). Es war dies nicht eine persönliche Erfindung 
unsres Meisters, sondern die Richtung seiner Vaterländischen Schule. 
Carl van Mander erzählt, man glaube in Harlem, dass dort die 
ältesten landschaftlichen Bilder entstanden seien; er knüpft diese 
Bemerkung an die rühmende Erwähnung des Landschaftlichen in den 
Bildern des Albrecht von Ouwater, und wir erfahren durch den Ano- 
nymus des Blorelli, dass man auch in Italien im Anfange des sech- 
zehnten Jahrhunderts kleine landschaftliche Bilder mit dem Namen 
  P 1 -Bas de Guicciardini traduite par Belle-Forest, 
I) Descnptloädfz? tguielgilyqiäemsbles par Pierre du iNIont p. 102, bei NVauters 
avec plusieurs a 110D 
a. a. O. p. 8.
        

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