Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173433
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am 
Die niederländische Malerei 
des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlüsse 
kommen, höchst lebendig gruppirt und ausgeführt 1). [Die Bestattung 
eines Bischofs, früher bei Sir Ch. Eastlake, jetzt in der National- 
galerie zu London, ist gewiss auch von ihm]. 
In vielen Beziehungen schliessen sich die Werke unsres Dierick 
denen der Eyck'schen Schule an, besonders denen seines älteren Zeit- 
genossen R. v. d. Weyden. Wie dieser fasst er das Leben mehr in 
nüchterner, ernster Wahrheit, als in heiterer Idealität auf; auch theilt 
er mit ihm eine gewisse Härte der Umrisse, die Vorliebe für schlanke, 
etwas steife Gestalten, das Eckige der Bewegungen, aber auch das Stre- 
ben nach ernstem, pathetischem Ausdruck. Indessen finden sich da- 
neben in der F arbenbehandlung und Gewandung so viele Abweichungenf 
dass wir die Ursache dieses Zusammenhanges nicht in einer Ab- 
hängigkeit von Roger, sondern eher in der gesammten Richtung der 
Zeit zu suchen haben 2). Das Streben nach grösserer Naturwahrheit, 
nach tieferem Eingehen auf die feineren Details konnte sehr leicht 
zu einer allzu starken Betonung der Umrisse und zu mageren, eckigen 
Formen führen. Da aber, wo es auf die Schilderung innerer Empfin- 
dungen ankommt, wie bei dem Abendmahle und dem dazu gehörigen 
Elias, übertrifft er Roger an Tiefe und Mannigfaltigkeit des Aus- 
drucks. In der Farbenbehandlung unterscheidet er sich einigermaassen; 
er malt wenigstens nicht auf allen Bildern in den leuchtenden Tönen 
der Eyck'schen Schule, seine Farbe ist oft in den Schatten grauer, 
aber offenbar nicht in Folge mangelnden Farbensinnes, sondern ver- 
möge einer andern künstlerischen Richtung. Er hat die Natur mit 
anderem Auge betrachtet, die verschiedenen Wirkungen des Lichtes 
unterscheiden gelernt; er versteht die Einheit des Lichtes in der Er- 
scheinung und strebt deshalb nach sanften Uebergängen, nach einer 
1) Eine Abbildung aus dem Bilde bei Förster, Gesch. d. deutschen Kunst 
II. 79 [der freilich die Tafel unbegreiflicher Weise dem van Eyck zuschreiben 
möchte.]  Die in der Moritzkapelle zu Nürnberg (Nr. 23) bewahrte Auferstehung, 
welche mit jener Gefangennehmung zugleich angekauft: ist und mit ihr die Flügel 
einer fehlenden Mitteltafel gebildet zu haben scheint, ist durch Uebermalung ent- 
stellt. [Bei genauer Untersuchung wird man dieselbe ziemlich unerheblich finden, 
und dieses, sowie das oben beschriebene Bild der Gefangennehmung Christi neben 
dem Abendmahl als die bedeutendsten Werke des grossen Malers anerkennen 
müssen] Ob Dierick der Urheber der Zeichnungen zu den Holzschnitten eines Spe- 
culum salvationis und einiger anderen in den Niederlanden erschienenen Holzschnitt- 
werke gewesen, wielHarzen in Naurnanns Archiv Bd. I. S. 9 vermuthet, muss ich 
dahingestellt sein lassen. Die von Wauters, Thierry Bouts (1863) p. 60 ü". aufgestellte 
Hypothese, dass er auch Kupferstecher gewesen, beruht auf sehr schwachen Gründen. 
2) Waagen's Annahme, dass unser Meister ein Schüler Huberüs van Egck ge. 
wesen, bedarf bei unserer jetzigen Kenntniss seines Lebens keiner Widerlegung. 
Er war bei dem Tode desselben (1426) noch ein Knabe.
        

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