Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173425
München u. 
Diericläs in Löwen, 
Bilder 
229 
Kathedrale zu Brügge befindlichen Flügel-Altärchen mit dem Marty- 
rium des h. Hippolyt, auf welchem die richterlichen Personen und 
die Landschaft sehr ähnlich behandelt sind, wie auf jenem Altar des 
h. Erasmus in der Peterskirche von Löwen. Die Marter des heiligen 
Ilippolyt war bekanntlich nach der Legende eine ähnliche, wie die 
Todesart seines athenischen Namensvetters; er wurde von Pferden 
zerrissen. Man sieht ihn auf unserm Bilde nackt am Boden liegend 
und an jedem Arme und Beine ein Pferd befestigt, das von einem 
darauf sitzenden oder nebenhergehenden Manne angetrieben wird. 
Der Körper des Heiligen ist dürr, aber nicht unedel und besser 
modellirt, als der des Löwener Bildes, die Pferde sind, wenn auch 
nicht vollkommen, doch überraschend gut gezeichnet und sie und ihre 
Treiber von lebendigster Bewegung. Dabei aber erkennt man auch 
bei diesem Martyrium, wie dort, den Geist der Massigung, dieselbe 
Feinheit der Zeichnung und endlich dieselbe Sparsamkeit der Aus- 
stattung. Fast ebenso sicher ist seine Autorschaft an einem kleinen 
interessanten, früher in der Brentandschen Sammlung, jetzt im Stae- 
delschen Institute zu Frankfurt am Main befindlichen Gemälde der 
Sibylle, welche dem Kaiser Augustus die Erscheinung der Jungfrau 
zeigt. Endlich sind hier zwei sehr ausgezeichnete Bilder zu nennen, 
die wenigstens keinem andern der uns bekannten Meister so nahe 
stehen, wie ihm, obgleich sie unter einander verschieden sind. Das 
eine, die Krönung Maria in der Akademie zu Wien, ist ein Andacht- 
bild, wie die Grossen jener Zeit es für ihren Privatbesitz liebten; 
von kleiner Dimension, 2 Fuss 8 Zoll hoch und ungefähr ebenso breit, 
aber von höchster Pracht der Farbe und des Gegenstandes. Auf dem 
Marinorboden eines reich geschmückten Saales kniet die Himmels- 
königin, während Christus, nur mit dem rothen Mantel bedeckt, und 
Gott Witer in reicher päpstlicherTraclit und mit der krystallenen Welt- 
kugel in der andern Hand, ihr die Krone aufsetzen, und zu beiden 
Seiten Engelschöre Hymnen singen. Die langgezogenen Gesichtszüge, 
die Zeichnung der Details des Körpers und der Gewandung sprechen 
für unsern Meister und gegen Memling, dem man das Bild früher, 
zuschrieb 1). Ganz anderer Art sind die Verdienste des zweiten Bildes 
der Gefangennehmung Christi in der Pinakothek zu München (Kab. 
Nr. 58). Es ist von bescheidener, harmonischer aber gedämpfter 
Färbung, ähnlich wie das Abendmahl in de1' Peterskirche zu Löwen, 
dabei aber höchst ausdrucksvoll und gedankenreich, ungeachtet der 
mageren Formen und der eckigen Bewegungen, die auch hier vor- 
Kunstdenkmäler in Wien, 
1) Waagen, 
246.
        

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