Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173418
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Schlusse des fünfzehnten Jahrhunderts. 
am 
Die niederländische Malerei 
den Kopf des Enthaupteten, in der andern den Beweis seiner Un- 
schuld, nämlich das glühende Eisen des Gottesurtheils haltend, rings 
umher einige Hofleute; im Hintergrunde die verbrecherische Kaiserin, 
schon an den Pfahl gebunden, um verbrannt zu werdenl). Man 
kann nicht behaupten, dass diese stattlichen Bilder an innerem Werthe 
jenem Altarwerke des Sakramentes gleichkommen. Wir erkennen 
zwar den Meister wieder, er hat Fleiss und Mühe nicht gespart; 
die Zeichnung hat im Wesentlichen dieselben Eigenthümlichkeiten, 
die Färbung ist vielleicht nicht ganz so harmonisch, aber nicht. 
iweniger kräftig. Aber die Aufgabe entsprach seinem künstlerischen 
Vermögen und seiner Kunstrichtung nicht so, wie dort. Schon auf" 
den Nebentafeln des Abendmahlbildes bemerken wir, dass die stehen- 
den Gestalten, z. B. die Israeliten bei der Mahlzeit des Passahlammes 
vor dem Auszuge aus Aegypten steif und in monotoner Haltung, dass 
die Bewegungen, z. B. die Kniebeugung Abrahams vor dem Priester- 
könig Melchisedek, etwas eckig und lahm ausfallen; aber bei dem 
Charakter religiöser Feierlichkeit oder naiver, demüthiger Frömmig- 
keit, der dort vorherrschte, war das nicht gerade anstössig. Hier 
dagegen, wo vornehme Personen in dramatisch bewegten Hergängen 
vorgeführt werden sollen, fällt es mehr auf. Dazu kam denn, dass 
die Figuren hier in fast lebensgrossen Dimensionen, die in der da- 
maligen Kunst nur selten und dann meistens bei ruhiger, statuarischer 
Haltung gebraucht wurden, und in der ungünstigen burgundischen 
Hoftracht erscheinen. Die Wittwe, das glühende Eisen des Gottes- 
gerichtes in ihrer Hand und den Kopf ihres Gemahls im Arme, kniet. 
vor dem Kaiser mit einer jener zuckerhutförmigen Hauben, für welche 
die Damen jener Zeit sclnvärinteii, und die Hofleute zeigen unter den 
kurzen Jacken ihre etwas zu lang gerathenen, spindeldürren Beine in 
enganliegenden Kleidern als ebenso viele senkrechte und parallele 
Linien. Der Maler hat sich auch hier bemühet, das Mitleiden und 
Erstaunen der Umstehenden auf ihren Gesichtern und besonders in 
Handbewegungen auszudrücken, aber bei den Hauptpersonen, z. B. 
bei der knieenden Gräfin, scheint er dafür kein zugängliches Motiv 
gefunden zu haben, und selbst bei den Anderen ist der Ausdruck 
matt und trocken und die ganze Erscheinung steif und monoton. 
Ausser diesen urkundlich beglaubigten Bildern unsres Meisters 
besitzen wir noch einige, welche man ihm nach der Aehnlichkeit des 
Styls zuschreiben kann. Am sichersten ist dies bei dem in der 
des 
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sciences 
1) Abbildungen der ersten der beiden Tafeln im Messager des 
arts 1834 S. 150, der zweiten bei Passavant, Reise S. 385.
        

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