Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173370
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des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse 
Die niederländische BI-alerei am 
Die zweite Kapelle der Bruderschaft des Sakraments war dem 
h. Erasmus gewidmet und mit einem das Martyrium desselben dar- 
stellenden Gemälde geschmückt, das auch heute noch in der Peters- 
kirche, wiewohl in einer andern Kapelle, bewahrt wird. Quittungen 
oder sonstige urkundliche Beweise, dass auch dies ein Werk des 
Dierick Bouts sei, sind nicht ermittelt, wohl aber wird es schon von 
einem Schriftsteller des 16. Jahrhunderts ilnn zugeschrieben 1), und 
überdies lasst die Aehnlichkeit des Styls mit dem Abendmahlsaltare 
darauf schliessen, dass beide aus derselben Werkstatt stammen. Auch 
dies ist ein Flügelaltar, aber von sehr viel kleineren Dimensionen. 
Auf der Mitteltafel ist der widerliche Gegenstand der Marter eines 
Heiligen, dessen Gedärme ausgewunden werden, mit solcher Milde 
behandelt, dass er fast alles Abschreckende verliert; kein Bluts- 
tropfenfkeine Zuckung des Gemarterten ist sichtbar; die hagere, 
aber wohlgebildete nackte Gestalt liegt ruhig da, der Richter und 
seine Begleiter stehen in wohlgeordneter, ernster Gruppe, selbst die 
Henker bewegen sich massig. Auch die Landschaft ist einfacher ge- 
halten, als bei den Eyck's oder bei Roger, in gelblich grünem Tone, 
von einem ruhigen Höhenzüge begrenzt. Die Carnatioil ist bleich, 
die Farbe überhaupt besonders zart und harmonisch. Von den 
breit und 5 Fuss 9252011 hoch, jedes der Seitenbilder aber 2 F uss 21,5 Zoll breit 
und 2 Fuss 9 Zoll hoch, was bis auf eine kleine, durch die Verdoppelung der 
Leisten völlig erklärbare Differenz genau entspricht. Die archivalischen Forschun- 
gen, welche den Namen des Dierick Bouts ergeben, waren damals noch nicht ge- 
macht; rnan suchte (laher den Namen des Meisters dieser Tafeln durch Vergleichung 
mit anderen Werken zu errathen. Daher denn der gerade hier besonders grell 
hervortretende Wechsel der Benennungen. Die Gebrüder Boisseree hatten die 
beiden aus ihrer Sammlung in die Pinakothek gelangten Bilder auf den Namen 
Memling's gekauft, Waagen entschied sich zuerst (in der Preuss. Staatszeitung 
1836) für Roger van der Weyden, dann, da das Auffinden des Altars von Miraflores 
dies nicht mehr gestattete, für J ustus von Gent, bis uns endlich die Archive von 
Löwen eines Besseren belehrten. Diese verschiedenen Benennungen waren freilich 
nicht willkürlich gewählt, sondern auf Vergleichungen gegründet. Indessen möchte 
doch dieser Hergang dafür sprechen, sich solcher Hypothesen zu enthalten und 
bilderlose Namen und namenlose Bilder als solche gelten zu lassen, bis eine glück- 
lich aufgefundene Notiz die Wahrheit kennen lehrt. 
1) Molanus in seinen bereits oben erwähnten Aufzeichnungen schreibt dem 
Theodoricus ausdrücklich beide Altäre der Brüderschaft zu (Theodorici opus sunt 
in ecclesia D. Petri duo altaria venerabilis sacramenti; quäle mlllillm 6x arte 
commendantur). Nach der Redaction bei van Even, dietsche YVarande, scheint sich 
dies. zwar auf den jüngeren Dietrich zu beziehen, indessen ist diese Redaction, 
wie wir schon oben S. 219 Anm. 2 sahen, zweifelhaft und es genügt für unsern 
Zweck, dass beide Altäre von demselben Dietrich herrühren.
        

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