Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173331
220 
fünfzehnten Jahrhunderts. 
Schlusse des 
Die niederländische Malerei am 
der zweite, Albrecht, erreichte dagegen ein sehr hohes Alter und 
starb erst 1549. Wir besitzen von beiden keine zuverlässigen Ge- 
mäldel) und haben nicht nöthig, uns "weiter auf sie einzulassen, son- 
dern wenden uns zu der Geschichte ihres Vaters zurück. 
Ohne Zweifel hatte dieser nicht bloss seine Lehre, sondern auch 
die ersten Jahre selbständiger Thätigkeit in Harlem durchgemacht, 
da man nach mehr als hundert Jahren noch das Haus kannte, das er 
bewohnt hatte. Indessen ist keines seiner Werke aus dieser Zeit auf 
uns gekommen 2). und selbst jenes bereits in Löwen gemalte Triptychon 
vom Jahre 1462 mit den lebensgrossen Gestalten des Erlösers und 
der beiden Apostelfürsten, das van Mander in Leyden sah und be- 
wunderte, ist seitdem verschollen. Die frühesten unter seinen beglaubig- 
ten Bildern sind die, welche er auf Bestellung der Bruderschaft des 
hl. Sacraments für die beiden derselben tiberwiesenen Kapellen der 
Peterskirche zu Löwen malte. Das Hauptwerk darunter ist ein Tripty- 
chon,'für welches er zufolge seiner noch jetzt im Archive dieser Brüder- 
schaft befindlichen eigenhändigen Quittungen in den Jahren 1466, 
1467 und 1468 Zahlungen erhieltß). An Ort und Stelle in der Ka- 
pelle des Sacraments jener Peterskirche befindet sich nur noch die 
Mitteltafel, das bendmahl (Fig. 15) darstellend. Sie ist ein Meister- 
werk, das in Beziehung auf Charakteristik alle bisherigen flandrischen 
Malereien übertrifft. In der Mitte eines in regelmässiger Perspective 
gehaltenen Saales steht der Tisch, an welchem hinten neben Christus 
vier Apostel, dann auf jeder Seite des Tisches drei, vorn, mit dem 
Rücken gegen den Beschauer, zwei Personen sitzen. In einiger Ent- 
giebt, während offenbar der Ruhm des Vaters grösser war, als der des Sohnes, 
.macht eine so bestimmte Absicht zweifelhaft. 
1) Molanus schreibt in den erwähnten Notizen dem Albert Bouts ein damals 
in einer Marienkapelle zu Löwen befindliches Gemälde der Assumtion der Jungfrau 
zu; van Even in seiner Schrift von 1861 und nach ihm Michiels a. a. O. III. 313 
glauben dasselbe in dem oben erwähnten, irrig dem Goswien van der Weyden zu- 
geschrieben gewesenen Gemälde des Museums zu Brüssel wieder entdeckt zu haben. 
Die Beweise sind indessen nichts weniger als überzeugend. 
2) Wauters a. a. O. p. 8 glaubt eine Nachricht, wonach i. J. 1428 in Delft für 
die dortige Kirche St. Ursula eine grosse Tafel mit einem S. Christoph durch 
einen guten Maler Namens Dirck ausgeführt sei, auf unsern Künstler und zugleich 
auf ein im Museum zu Antwerpen (Nr. 20) befindliches Bild desselben Heiligen be- 
ziehen zu müssen. Allein dies Bild (etwas über 3 F. hoch und 2 F. breit) ist ein 
kleines und scheint erst dem Ende des 15. Jahrh. zugeschrieben werden zu dürfen, 
und unser Dirck war schwerlich schon im Jahre 1428 ein ausgebildeter Maler. 
3) Vgl. van Even, Thierry Bouts p. 37. Die Quittung v. J. 1453 hat die Ge- 
stalt einer Generalquittming: Ic Dieric Bouts kenne mi vernucht en wel betaalt als 
van den werc dat ic gemact hebbe den heilichcn Sacrament.
        

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