Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173329
Die Familie des Dierick Bouts. 
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verehelichte. Seinen Vater linden wir im April 1475 noch bei einem 
gerichtlichen Akte, der Bestellung einer Rente für seine in's Kloster 
tretenden Töchter thätig, im August desselben Jahres wird er da- 
gegen in einer andern Urkunde als verstorben genannt. Sein Alter 
oder sein Geburtsjahr sind nicht angegeben; da er aber noch im 
Jahre 1468, wie wir sogleich näher sehen werden, den Auftrag zu 
höchst umfassenden Malereien erhielt, und, wie eine andere Urkunde 
beweist, im Jahre 1473 zur zweiten Ehe mit Elisabeth van Vossem 
schritt, wird man seine Geburt nicht eher, als etwa um 1410 setzen 
dürfen 1). Er hinterliess zwei Söhne, welche ebenfalls Maler waren 
und zwar, wie es scheint," ziemlich angesehene, auf deren Arbeiten 
man noch im 17. Jahrhundert Werth legte 2). 
Der älteste, wie sein Vater Dietrich genannt3), starb schon 1491, 
1) Vgl. alle diese Urkunden bei van Even (1861 u. 1862) und in ausführlicher 
Erzählung bei Michiels a. a. 0. 
2) Dies ergiebt sich aus den übrigens ziemlich confusen Notizen über unsern 
Maler, welche man in den Aufzeichnungen eines Gelehrten von Löwen, des Jo- 
hannes van der Molen (Molanus geb. 1533, gest. 1585) gefunden hat. Sie sprechen 
von einem Theodoricus Bouts und von seinen zwei Söhnen Theodoricus und Albertus 
und nennen von dem Letzten mehrere Bilder, die er in Löwen "devote" gemalt, 
namentlich eine Assumtion, welche, wie man versichere, ihm eine dreijährige Arbeit 
gekostet habe. Diese Notizen sind indess in einem sehr unvollkommenen Zu- 
stande auf uns gekommen und haben dadurch dazu beigetragen, die Forschungen 
über Dierick Bouts zu erschweren. Nach der von van Even in der Dietsche 
Warande a. a. 0. S. 34 publicirten Redaction sind nämlich die Bilder der Sacraments- 
capelle, die nach unsern Urkunden unzweifelhaft Arbeiten des Vaters sind, seinem 
gleichnamigen Sohne zugeschrieben. Es scheint dies nach der Abschrift der 
Originalhandschrift, welche Michiels a. a. O. S. 236 mittheilt, ein durch eine un- 
richtig eingeschaltete Marginalschrift. veranlasstes Missverständniss zu sein. Ueber- 
dies aber ist darin in Beziehung auf den Vater die Angabe gemacht, dass er, 
75 Jahr alt, im Jahre des Herrn 1400 am 6. Mai gestorben sei. Dies wäre eine 
Unmöglichkeit, selbst wenn man den Maler jener Abendmahlsbilder für den Sohn 
halten wollte. Da aber dieser, wie durch jene Urkunden feststeht, der Vater des 
zweiten Theodoricus und des Albert war, und da er nach diesen Urkunden im 
Jahre 1475 und zwar zwischen April und August verstorben ist, so liegt hier, wie 
dies jetzt auch von allen Localforschern angenommen ist, ein oifenbarer Schreib- 
fehler zu Grunde, der nicht weiter zu berücksichtigen ist.  Der unermüdliche 
archivalische Forscher Wauters hat übrigens neuerlich auch das Testament Dierick 
B0uts' des Vaters entdeckt, in" welchem er seinen obengenannten beiden Söhnen 
seine Forderungen an die Stadt Löwen und seine Malerwerkzeuge vermacht. Vgl, 
den Bericht der Academie zu Brüssel bei der Jubelfeier v. J. 1872, Classe des 
beaux arts, S. 144. 
ß) Es ist möglich, dass Guicciardini, indem er ausser dem Dirck van Harlem 
einen Dirck van Löwen nennt, damit Vater und Sohn bezeichnen wollte. Der 
Umstand aber, dass er dem Dirck van Löwen das Prädikat: grandissimo arteüce
        

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