Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173274
214 
der Weyden und seine Handrischen Zeitgenossen. 
Roger van 
gemäldes in Oel, die Haltung und der Ausdruck der Gestalten, die 
Gewandbehandlung und die ganze Anordnung tragen den Charakter 
der Eyck'schen Schule. Die sorgfältig behandelten Köpfe, namentlich 
die lieblichen Züge der Jungfrau, zeigen einen sehr tüchtigen Meister, 
zumal da eine Wandmalerei dieser Art denn doch nicht die Feinheit 
der Ausführung und die Harmonie der Farben erlangen konnte, wie 
die Tafelbilder, welche daher noch besser gewesen sein werden. 
Etwas später scheint zufolge dieser archivalischen Nachrichten 
ein gewisser Daniel de Rycke, dessen-Namen weder Vasari noch 
van Mander anführen, der vornehmste Maler in Gent gewesen zu 
sein. Aus einer hialerfamilie stammend, wurde er 1448 in die Gilde 
aufgenommen, erhielt bald darauf Ehrenämter und war 1462 bis 1464 
Aeltermeister. Aus den Jahren 1466, 1468, 1469 linden sich Be- 
stellungen von Gemälden, die er erhielt, unter andern für den Haupt- 
altar der Augustinerkirche zu Gent, vor Allem aber nimmt er bei 
den Festen der Vermählung Karls des Kühnen zu Brügge im Jahre 
1468 eine ausgezeichnete Stellung ein. Er tritt dabei nicht bloss mit 
drei Gesellen auf, während alle anderen Maler allein stehen, sondern 
erhält auch für seine Person mehr als das Doppelte des Tagelohnes 
der meisten anderen und bedeutend Inehr, als Hugo van der Goes 1). 
Dies Verhältniss war nun zwar kein bleibendes; bei dem Einzug des 
genannten- Fürsten im folgenden Jahre zu Gent wurde de Rycke nur 
mit der malerischen Ausschmückung zweier Thore beauftragt und er- 
hielt eine geringere Bezahlung als Hugo, der die allegorischen Bilder 
in den Strassen zu malen hatte; indessen immerhin ist es bemerkens- 
werth, um zu zeigen, dass sich die flandrische Schule in grösserer 
Breite entwickelte, als es die Berichte Vasarfs und van hiandens er- 
kennen lasseni). 
einem beschädigten Blatte geschrieben war, das verloren gegangen und nur nach 
der Erinnerung des F inders wiedergegeben ist (p. 76). Dagegen weist Herr de 
Busscher a. a. 0. S. 82 urkundlich nach, dass Jacob de Ketelboetere schon 1441 
ür Nabor eine Bürgschaft übernahm und dieser dagegen 1444 seine Aufnahme 
(als Ehrenmitglied) in die Ixlalerzunft vermittelte, so dass ein mehrjähriges nahes 
Freundschaftsverhältniss bestand, welches nicht annehmen lässt, dass der Besteller 
seinen Freund Nabor übergangen habe.  
1) Vgl. de Busscher a. a. O. S. 96, 101 ff. 115 ff. 
2) Vgl. über weitere berühmte Künstlernamen dieser Zeit Crowe und Caval- 
caselle, deutsch von A. Springer, S. 194 E.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.