Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173262
Nabor 
M artin. 
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und der Fischer und wiederholt mit Ehrenämtern derselben bekleidet, 
was ihn dann auch veranlasste, bei Gelegenheit der ebenfalls im 
Jahre 1448 erfolgten Einweihung der für beide Zünfte dienenden 
Kapelle dieselbe mit einem grossen Gemälde auf seine Kosten zu 
schmücken. Die Anordnung hat daher auch ein gewissermaassen 
officielles Gepräge; die Familie des Stifters erscheint darin in naiver 
Verbindung mit der des Herzogs als des Protectors der Zunft. In 
der Mitte des Bildes liegt nämlich das Christkind in einem Strahlen- 
kranze am Boden, umgeben von sechs anbetenden Gestalten; in der 
oberen Hälfte des Kreises die Jungfrau Maria durch ihre milden 
Züge, das lange, fliessende Haar und den Heiligenschein bezeichnet, 
dann der Vater des Stifters, Johann van Ketelboetere, in der Amts- 
tracht der Aeltermeister des Gewerbs und ihm zur Seite eine Frau 
in turbanartiger Haube, ohne Zweifel seine Gattin, unten aber zwei 
Engel und zwischen ihnen ganz mit dem Rücken dem Zuschauer zu- 
gewendet, so dass man nichts von seinem Gesichte, sondern nur Mantel, 
Haupthaar und die betend aufgehobenen Hände sieht, muthmaasslich 
der Stifter selbst, der sich diese demüthige Stelle angewiesen hat. 
Im einfach gehaltenen landschaftlichen Hintergründe entdeckt man 
nächst der Jungfrau Ochs und Esel an der Krippe, dann die Hirten 
auf dem Felde, endlich die Thürme von Jerusalem. Ganz in der 
Spitze des Bogens sieht Gott Vater segnend auf diese Gruppe herab, 
neben ihm die Taube, von welcher Lichtstrahlen auf die Jungfrau 
ausgehen, im Vorgrunde dagegen vier knieende fürstliche Gestalten, 
auf der einen Seite Philipp der Gute und sein Sohn und Nachfolger 
Karl, auf der andern Isabella von Portugal, die Gemahlin Philipps 
und Adolph von Cleve, ein naher Verwandter des Hauses, der hier 
vielleicht nur der Symmetrie halber eine Stelle erhalten hat. Alle sind 
in vollem Kostüm, die Herzogin in goldbrocatenem Kleide, die Herren 
-in Wappenröcken 1). Der Name des Malers ist auf dem Bilde nicht 
genannt, indessen steht es urkundlich fest, dass Jacob van Ketel- 
boetere mit Nabor Martin sehr befreundet war, und dieser Umstand 
in Verbindung mit jener archivalischen Notiz lässt nicht daran 
ziveifeln, dass es ihm zuzuschreiben iste). Die Ausführung des Wand- 
1) Nachrichten der Entdeckung und Beschreibung des Bildes in den Bulletins 
de l'Acad_ roy. de Belgique T. XXII. partie 1 p. 586, partie 2 p. 265 und in dem 
Antwerpener Journal; De vlaemische school 1855 S. 68. Ausführlicheres nebst 
einer Abbildung bei de Busscher, Rech. sur les [ieintres Gantois S. 38. Wunder- 
licher Weise hält der Verf. die Frau mit dem Turban, obgleich weder ihr Kostüm 
noch der Mangel des Nimbus es gestatten, für die Jungfrau. 
2) Die archivalische Notiz ist insofern nicht völlig ausser Zweifel, als sie auf
        

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