Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173241
Künstlernamen aus dieser Zeit. 
Berühmte 
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Die früheren Kunstforscher gingen von der Voraussetzung aus, 
dass die Mittheilungen Vasarfs und van Mander's alle hervorragen- 
den Künstler der ilandrischen Schule enthielten. Sie glaubten daher 
für jedes entdeckte, einigermassen bedeutende Bild den Meister unter 
ihnen finden zu müssen und hielten sich daher berechtigt, ihn nach 
Yermuthungen festzustellen. Schon an sich war jene Voraussetzung 
sehr schwach 1), denn Vasari schrieb nach sehr zufälligen Mittheilungen, 
van Mander lebte zwar in den Niederlanden und bereiste sie zum 
Theil, uin Nachrichten einzuziehen, aber erst nachdem derBildersturm 
und die Religionskriege die Mehrzahl der älteren Kunstwerke zerstört 
oder zerstreut und die Tradition unterbrochen und verdunkelt hatten. 
Wie wenig diese ihm gewährte, ergiebt sich schon daraus, dass er 
fast überall Vasari als Quelle benutzte. Die neuerlich seit zwanzig 
oder dreissig Jahren mit grossem Eifer betriebenen archivalischen 
Nachforschungen haben nun auch den vollen Beweis der Unzuläng- 
lichkeit jener frühern Nachrichten geliefert; statt der geringen Zahl 
von Künstlernamen, unter welche man die Werke vertheilen zu dürfen 
glaubte, stehen sie uns jetzt zu Hundertcn zu Gebote 2). Allerdings 
werden sie meistens nur in den Listen der Zunft als derselben zu- 
gehörige Meister oder in den Rechnungen der Fürsten oder der 
städtischen Verwaltung als Verfertiger von Fahnen, Wappenschildern 
oder anderem Festschmuck angeführt; sie werden daher der Mehr- 
zahl nach sich nicht über den handwerksmässigen Betrieb erhoben 
haben. Aber dennoch befinden sich unter ihnen auch die bedeuten- 
deren Künstler, denn auch diese gehörten der Zunft an und ver- 
schmähten die Uebernalnne gemeiner Arbeiten nicht. Roger van 
Verhältnissen präsentirt sich van der Goes, namentlich was die Zeichnung an- 
belangt, günstiger, als in jenem grossen Altare zu Florenz.) Ob dagegen ein Tri- 
ptychon mit der Anbetung der Hirten, der Verkündigung, Beschneidung und den 
H1. Catharina und Barbara im Museum zu Brüssel von ihm ist, wie Wauters 
a. a. O. will, mag dahingestellt bleiben, 
1) Schon Guicciardini hatte darauf hinführen können; er sagt nämlich: De- 
scrittione di tutti i Paesi bassi Anv. 1587 p. 127) in der Einleitung des von der 
lilalerei handelnden Kapitels, es befände sich in diesen niederländischen Gegenden 
eine grössere Zahl von Malern aller Gattungen, als in vielen andern Provinzen 
zusammengenommen. 
2) Die Liste der Peintres et enluminetirs, welche De Laborde a. a. O. I. 525 
hauptsächlich aus den herzoglichen Rechnungen zusammengestellt, giebt schon eine 
Anschauung der hlenge. Dazu kommen dann aber viele Andere, welche Leon de 
Burbure (Toestand .der beeldenden Kucnsten in Antwerpen omtrent 1454i und 
P. Genard (Luister. der St. Lucasgilde 1854 für Antwerpen, Pinchart und de 
Busscher für Gent, van Even für Löwen u. s, w. zusammengestellt haben. 
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