Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173210
208 
Zeitgenossen. 
Weydeu und seine iiandrischen 
Roger van der 
Anerkennung fand ein andres Bild, das Hugo in dem Hause des 
Jakob Weytens zu Gent über dem Kamine gemalt hatte, David zu 
Rosse, welchem Abigail in Begleitung ihrer Frauen nahet, wo das 
ehrbar süsse Wesen dieser Frauen unserm Geschichtschreiber so 
manierlich schien, dass man die Frauen dahin in die Schule schicken 
könne. Lucas de Heere hatte es sogar in einem Sonett gefeiert. 
Man erzählte, dass eine der Frauen das Bildniss reiner Tochter des 
reichen Jakob Wüaytens gewesen, zu welcher Hugo eine stille Liebe 
gehabt, so dass „Oupid0 in Gesellschaft seiner Mutter und der Gra- 
zien ihm den Pinsel geführt" habe 1). Dies Gemälde indessen und 
ebenso die anderen, welche van Mander beschreibt, sind nicht auf 
uns gekommen, und wir besitzen nur noch ein beglaubigtes Werk 
unseres Meisters, nämlich das, welches Vasari erwähnt, und das, bis 
vor Kurzem in der Hospitalskirche S. Maria nucva zu Florenz, jetzt 
im Museum des Spitals sich beiindete). Folco Portinari, der Vater 
von Dantels Beatrice, hatte dies Hospital im Jahre 1285 gestiftet und 
seine Nachkommen waren immer in Verbindung mit dieser Stiftung 
geblieben. Einer derselben, Tornmaso Portinari, war in Brügge 
etablirt und als Agent der Medici, wie durch eignen Reichthum eine 
sehr angesehene Persönlichkeit. Philipp der Gute, dem er durch 
seinen Credit in Geldgeschäften wesentliche Dienste geleistet, hatte 
ihm den Titel eines Raths gegeben, und bei der feierlichen Einholung 
der Gemahlin Karl's des Kühnen durch die verschiedenen Corpora- 
tionen von Brügge ritt er im festlichen Anzüge an der Spitze der 
"vtlorentinischen Nation." Es ist möglich, dass er bei diesem Feste Hugo, 
der, wie erwähnt, dabei beschäftigt war, kennen lernte und ihm die 
Anfertigung des Gemäldes, durch welches er jene Familienstiftung 
zu schmücken beabsichtigte, übertrug. Das Bild ist von ziemlich be- 
deutender Grösse (8 F uss 6 Zoll hoch, die mittlere Tafel 10 Fuss 
9 Zoll breit) und enthält gegen die Sitte der flandrischen Schule fast 
i) Crowe und Oavalcaselle a. a. 0. (p. 129) bringen diese Liebe in Verbindung 
mit dem Eintritt Hugds in das Kloster und A. Michiels Bd. III. S. 340-346 er- 
zählt die tragische Geschichte beider Liebenden ausführlich. Er bemerkt indessen 
ausdrücklich, dass der Verfasser der eben gedachten Klosterchronik, obgleich er 
ein vertrauter Freund Hugo's gewesen zu sein scheine, nichts davon andßllte. 
2) Vasari nennt, wie gesagt, den Urheber des Bildes: Hugo von Antwerpen, 
und dies ist wohl die Ursache, dass van Mander in dieser Mittheilung seines 
kunsthistorischen Vorgängers den Hugo von Brügge, von dem er Nachrichten und 
Bilder vorfand, nicht wieder erkannte und daher die Nachricht nicht benutzte. 
Für uns, die wir aus den Urkunden von Antwerpen wissen, dass daselbst kein 
Hugo vorkommt, unterliegt die Identität keinem Zweifel.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.