Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173188
VäIl 
Hugo 
Goes. 
der 
205 
Was aus diesem bedeutenden Künstler weiterhin geworden, wissen 
wir nicht und vermögen nicht Werke nachzuweisen, welche diesem 
einzigen, uns bekannten Bilde gleichen  
Im Klostergange von S. Maria del Castello zu LGenua befindet 
sich ein Wandgemälde der Verkündigung mit lebensgrossen Figuren 
und mit der Inschrift: J ustus d'Allamagna pinxit 1451. Der Zusatz 
(PAlIamagna würde kein Hinderniss sein, an Justus von Gent zu 
denken. Die Niederlande gehörten grösstentheils zum deutschen 
Reiche, und die Bewohner von Flandern sprachen einen deutschen 
Dialekt. Wir finden sie daher nicht selten in Italien als Deutsche 
bezeichnet, und auch Justus von Gent könnte am Anfange seines 
Aufenthalts so genannt worden sein. Allein das Bild selbst giebt sich 
als das Werk eines andern Künstlers zu erkennen. Zwar deutet die 
Composition, das perspectivische Zimmer mit Messinggerath und 
Waschbecken und mit dem Blick durch das Fenster in die land- 
schaftliche Ferne, auf eine Kenntniss der Eyck'schen Schule. Aber 
die Ausführung in Temperafarben würde bei einem Maler, der die 
Praxis der Oelmalerei mitbrachte, rathselhaft sein und die feinen 
zarten Züge der Jungfrau, sowie manche andere Eigenthümlichkeiten 
der Zeichnung lassen eher auf rheinische oder oberdeutsche, bereits 
durch italienische Eindrücke bedingte Schule schliessenä). 
Endlich ist hier noch von Hugo van der Goes zu sprechen, 
den van Mander ausdrücklich als einen der wenigen Schüler Jan's van 
Eyck bezeichnet und ihm eine ausführliche Biographie widmet. Vasari 
und Guicciardini nennen ihn Hugo von Antwerpeng), van Mander und 
1) Waagen (Kunsthlatt 1847 S. 178 ff.) schrieb wegen vermeintlicher Ueber- 
einstimmung mit dem Bilde von Urbino dem Justus von Gent eine Reihe von 
Bildern zu, von denen die meisten und entscheidenden später als Werke des Dierick 
Bouts von Löwen urkundlich erwiesen sind. Das war ein Irrthum, der auch von 
Waagen selbst anerkannt ist, aber ein sehr verzeihlicher. Es gab bei dem da- 
maligen Stande der Wissenschaft kaum ein andres Mittel des Fortschrittes, als 
dass sachkundige Augen die gleichartigen, derselben Hand gehörigen Gemälde 
herauszufinden und diese Gruppen den überlieferten Namen anzupassen suchten. 
Erst die neuerlich erlangte Fülle archivalischer Nachrichten macht ein andres 
Verfahren möglich und nöthig. Wenn daher Herr A. Michiels (III. 158-160) bei 
dieser Gelegenheit eine lange Philippica gegen Waagen loslässt, und ihn beschul- 
digt: d'accumuler sans {in et sans mesure dünvraisemblables hypotheses  so ist 
das nicht nur ungerecht, sondern wahrhaft komisch. Quis tulerit Gracchos de sedi- 
tione querentes! 
2) Abbildung in E. Försters Denkmale der Malerei und Bildnerei Band VI, 
zu S. 7. 
S) Vasari erwähnt seiner unter diesem Namen schon in der ersten Auiiage 
(1550) und zwar mit Hinweisung auf sein in S. Maria nuova in Florenz befindliches
        

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