Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173158
202 
Roger van der Weyden und seine üandrischen Zeitgenossen. 
Ein flamländisches liianuscript frühestens vom Ende des sechs- 
zehnten und ein Genter Schriftsteller vom Anfange des siebzehnten 
Jahrhunderts erwähnen beiläufig eines J odocus von Gent, der ein 
Schüler Hubert's van Eyck und ein ausgezeichneter Maler gewesen 
seil). Andre flandrische Quellen über ihn sind nicht gefunden, und 
van Mander erwähnt seiner nicht. Dies ist um so auffallender, als 
Guicciardini sowohl wie Vasari, dieser sogar zwei Mal, in der Ein- 
leitung- und in dem der ZWGitGIl Auflage hinzugefügten Kapitel unter 
den frühesten iiandrischen Malern auch einen J ustus von Gent 
(Giusto da Guanto), also einen sehr ähnlich lautenden, in der flam- 
landischen Form identischen Namen nennt2), und van Mander sonst 
nicht leicht von Vasari abzuweichen pflegt. Diese Abweichung er- 
klärt sich indessen durch einen Zusatz, in welchem Vasari sich naher 
über diesen Künstler ausspricht. Er bezeichnet ihn nämlich als den- 
jenigen, welcher „die Tafel des Abendmahles und andere Gemälde für 
den Herzog von Urbino" fertigte. Es war also ein Künstler, der in 
Italien gelebt hatte und durch seine Werke bekannt war, über den 
aber van Mander in den Niederlanden nichts erfuhr, und da seine 
Reise in Italien ihn nicht nach dem abgelegenen Urbino geführt 
hatte, nichts zu sagen wusste. Zum Glücke sind wir in besserer 
Lage; nicht nur die Tafel, deren Vasari gedenkt, sondern auch ur- 
kundliche Nachrichten über den Ursprung derselben sind erhalten 
und bekannt gemacht. In den Rechnungsbüchern einer damals zu 
Urbino bestehenden Brüder-Schaft „des Körpers Christi" finden sich 
nämlich von 1465 bis 1474 freiwillige Beiträge "für die Tafel" und 
endlich in diesem Jahre die Zahlungen für die Vergoldung des Rah- 
mens und für das Bild selbst an Meister Justus von Gent, den hilaler, 
notirt. Auch noch im folgenden Jahre war dieser Maler in Urbino 
anwesend und erhielt von der Brüderschaft, der er eine "schöne" 
Fahne zu malen versprochen hatte, die dazu nöthige Leinwand3). 
1) Das hlanuscript von Passavant a. a. O. S. 381 und von de Bast im Messager 
de Gand 1824 p. 132 citirt, (lamals im Besitze des Herrn Delbecq, spricht von 
Bildern, "die vor dem Bildersturm in der Kirche St. Jan gewesen  
ist also nach demselben geschrieben. Sanderus; De Gandavensibus eruditione 
claris 1620 II. fol. 79. Iudocus Gandavensis, pictor nobilissimus, Huberti Eyck 
discipulus. 
2) Die niederländische Form Joos oder J osse gilt für beide lateinischen Namen 
J odocus und Justus. 
8) S. die Auszüge aus den Rechnungsbüchern bei Pungileoni (dem wir die 
Entdeckung derselben verdanken) Elogio storico di Giovanni Santi, Urbino 1822 
p. 65, bei Passavant: Raphael I. p. 429 5., bei Crowe und Cavalcaselle I. 148 und 
a. a. O.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.