Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170524
Carl Schnaasds Biographie. 
XXIII 
bliebe, auch würde ich nie nach Halle gehen, dessen roher burschi- 
koser Ton mir sehr yerhasst ist." 
Im Frühling 1817 verliess Schnaase die Universität Berlin, um 
nach Heidelberg zu gehen, und gelangte nun erst zu der Reife, die 
ihn fähig machte, aus eigenem Antrieb und Entschluss seinen Weg 
zu suchen, und die tieferen Bedürfnisse seines Wesens zu erkennen. 
„Erst in Heidelberg", sagt er selbst, "glaubte ich zu bemerken, dass 
ich wenig für eine praktische Laufbahn, mehr für theoretische Studien 
geeignet sei. Der naheliegende Gedanke, mich dem juristischen 
Lehrfache zu widmen, wurde jedoch durch den abmahnenden Rath 
eines berühmten Heidelberger Rechtslehrers (Thibaut) wankend gemacht, 
und bald durch die mächtig anziehende Kraft, welche Hegels philo- 
sophische Lehren auch auf mich ausübten, in den Hintergrund 
gedrängt." 
Von Ladenberg, der schon ein Semester in Heidelberg studirt 
hatte, in Darmstadt empfangen, zog Schnaase Ende April mit ihm zu 
Pferde in die Musenstadt ein, die ihn beim ersten Anblick eigentlich 
enttäuschte. Seine Wohnung am Fusse des Schlossberges, von einem 
Garten umgeben, der ihn an den elterlichen in Danzig erinnerte, bot 
die herrlichste Aussicht; schon nach wenigen Tagen hatte der Zauber 
der Gegend ihn gefangen, so dass er der Mutter schrieb: „Die Be- 
schreibung von Heidelberg, welche ich Dir bei meiner Ankunft ent- 
worfen, muss ziemlich trübe ausgefallen sein, so wie auch die ersten 
Tage hier wirklich waren. Jetzt bin ich schon bei weitem mehr mit 
dem Aufenthalte zufrieden, die Gegend ist reizend, und bei den schönen 
Maitagen, die Alles in schnelle Blüthe gesetzt haben, gewähren die 
Spaziergange auf die Berge und im Thal, den Neckar entlang, unge- 
mein viel Genuss. Ich lebe sehr still und bin ein fieissiger akade- 
mischer Bürger. Um fünf, halb sechs, steht man auf, arbeitet bis 
sieben; mit Collegien und einer Fechtstunde, die dazwischen fallt, 
wird es zwölf. Dann geht es zu Tische, man isst so viel wie möglich, 
geht dann eine halbe Stunde bald auf der Brücke, bald in der Stadt 
herum. Nachmittags habe ich noch ein Collegium, die übrige Zeit 
wird gearbeitet, und um sieben Uhr mache ich noch einen Spazier- 
gang in eines der nächsten Dörfer oder auf's Schloss, lege mich um
        

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