Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1173068
zu den van 
Vergleich 
Rogefs Kgnstcharakter im 
Eyck's. 
193 
ein Engell), dann ein kleines Bild mit der Trinität und endlich ein 
zweitheiliges Bild, das auf der einen Tafel Christus am Kreuze mit 
der den Fuss des Kreuzes umfassenden Maria, auf der andern die 
Messe des h. Gregor enthält. Im Hause Vendramin in Venedig 
schrieb man ihm im J. 1530 ein kleines, sehr ausgezeichnetes Oel- 
bild zu, Madonna mit dem Kinde stehend in einer Kirche nordischen 
Styls, eine Krone auf dem Haupte 2); in der Sammlung des Erzherzogs 
Ernst im Jahre 1593 die Jungfrau, ihren Sohn umarmend, also wahr- 
scheinlich ihr Abschied von Christus, ehe er zum Tode gingß). 
Schon in der Wahl der Stoffe unterscheidet sich Roger auf- 
fallend von seinen grossen Vorgängern, den Eyclö s. Während diese, 
Hubert mit tieferer Mystik und in künstlicherer Gedankenbildung, 
Johann in den hergebrachten Anschauungen des Mariendienstes, durch- 
weg ruhige, heitere Erscheinungen, die Welt im tiefsten Frieden, im 
hellsten Sonnenlichte zeigen, liebt Roger dramatische Bewegung, 
tragische Hergänge. Während jene den Einklang des Heiligen und 
des Natürlichen feiern und keine Störung zu kennen scheinen, tritt 
hier der Schmerz und die Klage in den Vorgrund. Man darf dies 
freilich nicht in dem Grade, wie es jetzt geschehen würde, der Eigen- 
thümlichkeit oder den Ansichten der Künstler zuschreiben; diese 
Waren damals noch zu sehr an ihre zünftige Stellung, an die Ab- 
hängigkeit von den Bestellern gewöhnt. Auch der Wechsel der Stoffe" 
wird daher zunächst von diesen ausgegangen sein. Die religiösen Be- 
dürfnisse begannen sich zu verändern; die Zeit war vorüber, wo man 
Sich einer contemplativen Mystik hingab, oder, durch den Gebrauch 
der kirchlichen Heilsmittel vollständig beruhigt, nur noch einen 
frommen Luxus in der Kunst suchte. Man fühlte die Nothwendigkeit 
tieferer Anregung, heilsamer Erschütterung, wünschte daher die 
L 
1) „Ung petit tableaul (Pung Dieu de pitye estant es bras de Nostre Dame; 
ayant deux feuilletz dans chascun desquelz y a ung ange et dessus les dits feuilletz 
y a une annunciade de blanc et de noir. Fait le tableaul de 1a. main de Rogier 
et les ditz feuilletz de celle de maistre Hans." S0 in dem von Le Glay publicirten, 
beim Leben der Erzherzogin verfassten Inventar von 1516. In dem von 1524, 
welches De Laborde, Inventaire de Marguerite cVAutriche Paris 1850 edirt hat, 
wird nur der Hauptgegenstand bezeichnet. "Ung tableaul de Nostre Dame tenant 
Nostre Seigneur nuz devant elle." Wir werden uns Kap. 3 unter Memling noch 
einmal auf jene Stelle im Inventar von 1516 beziehen müssen, weil sie den Beweis 
liefert, dass Hans Memling der Schüler Rogeüs gewesen. 
2) Morelli, Notizia d'0pere di disegno S. 81 „in un tempio Ponentino". Unäer 
Arwnymus gebraucht dies Wort oft, um die Eigenthümlichkeiten der niederlän- 
dischen Schule anzudeuten (z. B. li deficii sono alla Ponentina). 
3) lllichiels, III, 102. 
Schnansds Kunst-gesch. VIII. 13 
        

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