Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172993
186 
der Weyden und seine flandrischen Zeitgenossen. 
Roger van 
schaften mehr oder weniger theilen, annehmen, dass sie bald darauf ent- 
standen sind. Dahin gehört zuerst das berühmte Bild des hl. Lucas, der 
die mit dem Kinde an der Brust ihm sitzende Jungfrau Maria malt, 
welches die Boisserees in Brüssel gekauft haben, wo es ohne Zweifel 
eine der Walergilde gehörige Kapelle zierte, und das mit ihrer Samm- 
lung in die Münchener Pinakothek übergegangen ist 1). Die Madonna 
mit ihrer bauschigen Gewandung und das dürftig geformte Kind 
[auffallend ist eine wohl erst später entstandene Aenderung in der 
Zeichnung des rechten Aermchens des Kindes] sind zwar keineswegs 
schön, aber der heilige Maler ist von sehr anziehenden, individuellen 
Zügen, die Landschaft, zu der man durch die Arcaden der Halle 
durchblickt, sehr reizend, die Farbe warm und harmonisch. Noch 
bedeutender ist das derselben Sammlung angehörige, aus der Kirche 
St. Columba in Köln stammende Triptychon mit der Anbetung der 
Könige im Mittelbilde und der Verkündigung und Präsentation im 
Tempel auf den Flügeln?) Die Hauptscene ist in ein verfallenes, 
rundbogiges Gebäude verlegt, neben dem man auf beiden Seiten eine 
Stadt mit vielen Häusern, Kirchen, Thürmen und belebten Strassen 
sieht. Maria im Vorgrunde sitzend hat den Typus der Madonna auf 
dem Mediceerbilde, ein volles Gesicht mit spitzem Kinne, Joseph 
ist, wie auf dem Altar von Miraüores, ein demüthiger, abgelebter 
Greis, die drei Könige in phantastisch prachtvollen Gewändern sind 
Porträts, darunter der knieende König das Philipps des Guten, und 
der letzte rechts das Karls des Kühnen. Auf den Flügeln geht die 
Verkündigung in einem Zimmer mit reichem Bette, die Präsentation 
in einer romanischen Kirche vor sich, in der ausser den handelnden 
Personen im Hintergründe verstümmelte Bettler und Betende an- 
gebracht sind. Die Composition ist anmuthig bewegt, die einzelnen 
Figuren zeigen lebendige und naive Motive, aber die Haltung der 
Figuren ist noch etwas steif und schüchtern, was bei der höheren 
1) Dürer (Reliquien S. 90) notirt bei seinem Aufenthalte in Brüssel „2 Stüber 
geben von Sanct Lucas Tafel aufzusperren." Er nennt weder den Ort, wo die- 
selbe befindlich gewesen, noch den Meister, indessen ist es nicht unwahrscheinlich, 
dass von dieser Tafel die Rede ist. Das Bild muss sehr beliebt gewesen sein, da 
sich viele Copieen desselben iinden, so in Madrid (Passavant Spanien S. 134), in 
der Eremitage in Petersburg und in Wien (Waagen, Eremitage S. 117).  
2) Beide Bilder im III. Kabinet nro. 634 und 627-29. Abbildungen beider 
unter den Lithographieen der Boissereeschen Sammlung von Strixner, noch mit 
dem Namen des Johann van Eyck. Maasse des Lucas 4M 4" h. 3' 51l2" br., das 
Triptychon: 4' h., das Mittelbild 4' 10", jeder Flügel 2' 3" breit. Eine Abbildung 
des Triptychon auch bei E. Förster, Denkmale Band II.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.