Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172980
und Heiligen in Frankfurt. 
Madonna. mit Aposteln 
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lebendig ausdrückend. Die Ausführung der Stoffe und des Schmuckes 
ist wie immer von bewundernswürdiger Sorgfalt, die Farbenwirkung 
kräftig, der Faltenwurf der Gewänder ziemlich einfach und würdevoll. 
 Bei geschlossenen Flügeln erinnern die sechs Aussenbilder im 
Gedankengange und in der Anordnung an den Genter Altar. Auch 
hier oben (auf den Flügeln, welche den höheren Theil der Christus- 
gestalt bedecken) die Verkündigung, grau in grau; darunter als in 
Nischen stehende Statuen die beiden Schutzheiligen St. Sebastian 
und St. Antonius; neben ihnen, aber in natürlicher Farbe, die knieen- 
den Portratgestalten des Kanzlers und seiner Gemahlin, beide in 
dunkeln Sammetlaelzen und, wie die Bildnisse des Jodocus Vydts und 
seiner Ehefrau von strengster Naturwahrheit, ohne eine Spur schmei- 
chelnder Idealisirung. Diese ohne Zweifel von der Hand des Meisters, 
die anderen Gestalten der Aussenseite aber hier, wie sonst so häufig, 
von Gesellen ausgeführt. Das ganze vortreffliche Werk hat stellen- 
weise durch Uebermalungen gelitten, namentlich sind die nackten 
Figuren der AuferstehendenAtheils durch Gewänder, theils durch aus 
den Gräbern aufsteigende Flammen bedeckt und entstellt. 
Neben diesem grüssten Werke unsres Meisters ist ein im Stae- 
delschen Institute befindliches, ziemlich kleines zu nennen, weil 
dessen Inhalt einen chronologischen Anhaltspunkt gewahrtl). Das 
Bild (20" hoch 14" breit, auf Goldgrund) enthält die Jungfrau mit 
dem Kinde unter einem Thronhiinmel, ihr zur Rechten die Heiligen 
Petrus und Johannes, zur Linken die hl. Aerzte Cosmas und Damianus. 
Die Anwesenheit dieser beiden Ileiligen, welche bekanntlich die Schutz- 
patrone des mediceischen Hauses waren, dann das Wappen der Stadt 
Florenz, die rothe Lilie auf weissem Grunde, wvelches sich am Rahmen 
des Bildes findet, lassen darauf schliessen, dass es für die Mediceer 
und zwar wahrscheinlich für Pietro und Giovanni, die damals lebten, 
gemalt sei. Auch ist es in Italien gekauft. Da Roger, wie oben er- 
wähnt, zum Jubiläum im Jahre 1450 in Rom war, so ist es wahr- 
scheinlich, dass er damals nicht nur die Bestellung erhalten, sondern 
das Bild in Florenz ausgeführt hat. Auch darf man glauben, einen 
Einfluss Italiens darin zu erkennen; die Ausführung ist weicher, die 
Zeichnung flicssender, das Colorit wärmer als in seinen früheren 
Werken. 
Bei einigen anderen seiner Bilder können "wir, da sie diese Eigen- 
1) Passavant Kunstblatt 1841 S. 19. Eine kleine Abbildung im Messager de 
Gand 1838 S. 113. Die Jungfrau allein (ohne die Nebenüguren) in grösserem 
Maassstabe bei Passavant, in v. Quast Zeitschrift Bd. I. Tafel 1.
        

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