Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172960
Gericht im Hospital zu Beaune. 
Das jüngste 
183 
Andere Gründe haben zu der an sich wahrscheinlichen Ver- 
muthung geführt, dass das Bild schon 1447 vollendet gewesen 
sei 1). Bei völlig geöffneten Tafeln bildet das Ganze eine zusammen- 
hängende Darstellung des jüngsten Gerichtes. Ganz oben, in dem 
zu diesem Zwecke überhöheten mittleren Theile des Bildes Christus 
in purpurrothem Mantel auf dem Regenbogen thronend, die Füsse 
auf der goldenen, mit Edelsteinen besetzten kleinen Weltkugel, von 
seinem Munde ausgehend zur Rechten die Lilie, zur Linken das 
Schwert. Neben ihm zunächst Engel mit den Marterwerkzeugen, 
etwas tiefer unten Maria und Johannes fürbittend, dahinter die sitzen- 
den Gestalten der zwölf Apostel nebst einer kleinen Zahl von Seligen. 
Unterhalb der Wolkenschicht, welche diese Himmlischen tragt, steht 
dann auf dem festen Erdboden zunächst die kolossale Gestalt des 
Erzengels Michael, noch nicht wie auf dem weiter unten zu erwäh- 
nenden Bilde des Petrus Cristtis und wie auf dem berühmten Dan- 
ziger Bilde in glänzender ritterlicher Rüstung, sondern im weiten 
priesterlichen Gewiantle, mit der Wagschale in der Hand. Neben ihm 
schweben posaunenblasende Engel, auf deren Ruf denn auch die 
Gräber zu beiden Seiten sich öffnen und die Auferstehentlen sich er- 
heben, hier die Gerechten im Dankgebet, dort die Verdammten mit 
verzweifelnder Geberde, diese dem Flammenpfuhl zueilend, den die 
äusserste schmale 'I'afel zeigt, während auf der entgegengesetzten 
Seite die Himmelspforte als sonnenbeschienenes gothisches Portal 
dargestellt ist, auf dessen Stufen ein Engel eine kleine Zahl von 
herannahenden Seligen einpfangtg). Wie auf dem Genter Altar ist 
1) Die auf der Aussenseite dargestellten Ileiligenbilder sind die des hl. Se- 
bastian und des hl. Antonius. Dieser letzte war durch die ursprüngliche von 
Engen IV. (i 1447) ausgehende Bestatigungsurkunde zum Patron der Anstalt er- 
nannt. Da dies jedoch Streitigkeiten mit dem Hospital des hl. Antonius in Vienne 
erregte, musste das von Beaune den Schutzheiligen wechseln und trat nun, nach 
einer Anordnung Nicolaus V. Hr 1455i, unter das Patronat Johannes des Taufers. 
I)ie Darstellung des hl. Antonius lässt daher darauf schliessen, dass das Bild vor 
dieser Aenderung entstanden ist. So Passavant a. a. O. Die Gründe sind nicht 
sehr schlagend, wichtiger die Wahrscheinlichkeit, dass der Kanzler Rollin seine 
Stiftung nicht lange ohne die Zierde eines Altarbildes gelassen haben wird. 
2) Eine kleine Abbildung des ganzen Werkes bei geöffneten und bei ge- 
schlossenen Thüren ist der englischen Ausgabe von Crowe und Cavalcaselle und 
Waageifs Handbuch beigegeben. Förster (Denkmale a. a. 0A giebt sehr gelungene 
Zeichnungen in grösserer Dimension, aber nur von den drei mittleren Tafeln, 
Unser Holzschnitt, nach jenem englischen mit Fortlassuxig der beiden aussersten 
Tafeln gefertigt, soll nur das Verständniss der Beschreibung erleichtern und reicht 
natürlich nicht aus, um eine Vorstellung von den einzelnen Figuren zu geben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.