Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172955
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seine üandrischen Zeitgenossen. 
Roger van der Weyden und 
und ileissiger Ausführung sein und in der Lebendigkeit der Motive 
Rogers anderen Werken nicht nachstehen, aber stellenweise durch 
späte Uebermalung gelitten haben. 
Bei Weitem das grösste unter allen Werken Rogers ist ein 
Altarbild im Hospital zu Beaune, wo es ursprünglich die Kapelle 
zierte, jetzt aber im Berathungsziinmer des Vorstandes steht. Bei 
geöffneten Flügeln haben seine sieben Tafeln eine Gesamnitbreite von 
18, bei einer Höhe der Mitteltafel von 7 Fuss, der anderen Tlieile 
von 4' 4". Den Namen des Meisters nennt keine Ueberlieferung, 
indessen lässt die Uebereinstimmung mit dem Altar von Miraflores 
kaum daran zweifeln, dass wir hier ein Werk desselben Künstlers 
vor uns haben 1), und der Inhalt des Bildes selbst in, Verbindung mit 
den Nachrichten über die Entstehung des Hospitals giebt seine Ge- 
schichte. Das Hospital ist nämlich eine Stiftung des Kanzlers Nico- 
laus Rollin, welcher den Bau 1443 begann; sein Bildniss, das wir 
schon auf einem im Louvre befindlichen Madonnenbilde Jan van Eycläs 
fanden, steht nebst dem seiner Gemahlin auf der Aussenseite unsres 
Altarbildes und beweist, dass auch dieses von ihm gestiftet ist. 
selben herbeigeführt haben. Seine Hypothese, dass dies Bild dasjenige sei, welches 
nach den von de Laborde publicirten Rechnungsauszügen (Ducs de Bourgogne 
Vol. I. p. LIX.) von dem Abte von St. Anbert bei Roger im Jahre 1455 und im 
Jahre 1459 abgeliefert wurde, gründet sich (da der Gegenstand des Bildes in den 
Rechnungsnotizen nicht angegeben ist) nur auf die Maasse, die keineswcges so 
genau übereinstimmend scheinen, wie Waagen annimmt. Jedenfalls sind seine An- 
gaben über die Maasse des Bildes in Madrid so unklar, dass sich danach keine 
Vergleichung anstellen lässt. 
1) Nachdem zuerst Passavant (Kunstbl. 1843 S. 246 ff.) das Bild nach gründ- 
licher Untersuchung als ein Werk des Meisters, dem der Altar von Miraüores 
gehört, erkannt hat, fand dies die Zustimmung fast aller Kunstforscher, die 
es gesehen. So Waagen (Kunstbl. 1856 S. 239), Hotho, Crowe und Cavalca- 
selle (Anciens peintres p. 178), und deutsche Ausgabe S. 240 ff, welche einen 
Zweifel kaum für möglich halten, und endlich E. Förster (Denkmale der Malerei V. 
p. 33  Dieser Annahme, der ich aus vollster Ueberzeugung zustimme, haben 
nur L. de Laborde, der es nach einer anscheinend flüchtigen Besichtigung ohne 
weitere Motivirung einem guten Schüler Rogefs oder Memling's zuschreibt. 
(La renaissance des arts a la cour de France) und Alfred Michiels (Histoire 
2. Auü. V01. II. p. 146) widersprochen. Dieser nimmt an, dass das Bild eine 
gemeinschaftliche Arbeit Huberfs und Johann's van Eyck und zwar etwa von 
1418 sei und beseitigt den Einwand, welchen die erst 1443 erfolgte Gründung des 
Hospitals und das hohe Alter im Bildnisse des Kanzlers Bollin (i- 1461) hervor- 
ruft, durch die kühne Hypothese, dass das viel früher entstandene Bild erst nach 
der Gründung des Hospitals von dem Kanzler für dasselbe bestimmt und dann 
durch die Hand Jean Fouqueüs mit dem Bildnisse desselben versehen sei. Die 
Gründe sind zu schwach, um eine ausführliche Widerlegung zu fordern.
        

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