Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172933
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Zeitgenossen. 
der Weyden und seine flandrischen 
Roger van 
und auf dem Altar von Mirailores fanden. Der Körper Christi hat. 
dieselben Formen, das Haupt dieselben Züge wie dort, und eben 
dasselbe gilt vorzugsweise von Johannes, doch auch im Wesentlichen 
von den Frauen. Besonders ist die eine merkwürdig, welche in der- 
selben Tracht wie jene Magdalena der Kreuzabnahme mit engan- 
liegendem Mieder und langem, faltenreichem Rocke uns zwar den 
Rücken zuwendet und also ihre Züge birgt, zugleich aber, indem sie 
mit der Rechten die Thränen trocknet und die Linke auf das Herz; 
drückt, durch die beiderseits gehobenen Ellenbogen eine ähnliche Er- 
scheinung bildet, wie dort die händeringende Magdalena und wie 
diese schon in den Umrisslinien das Herbe, Gewaltsame, Selbstver- 
gessende ihres Gefühles aussprichtl). Auch an einer andern Stelle- 
dieses Bildes finden wir eine unserm Meister ausschliesslich ange- 
hörige Vorstellung wieder. Ueber jedem der sechs Sakramente in 
den Seitenschitfen schwebt nämlich auch hier, ähnlich wie auf dem 
Altar von Miraiiores, ein geflügelter Engel in symbolischer Farbe des 
weithinflatternden Gewandes und des langen Spruchbandes, über der- 
Taufe weiss, über der Firmelung gelb, über der Busse roth, über der 
Priesterweihe in Purpur, über der Trauung blau und über der letzten 
Oelung violett. Entscheidend ist dann endlich, dass wir durchweg 
dieselbe Behandlungsweise, dieselbe Auffassung, dieselbe schlichte und 
treue Wiedergabe der Natur, die gerade, vielleicht etwas steife, aber 
richtige und ehrbare Haltung der Figuren, das ernste Streben nach 
charakteristischem Ausdrucke, den einfachen Faltenwurf, den vollen 
und reinen Farbenaccord wiederfinden. Wir können sicher sein, ein 
Werk nicht eines Nachahmers, sondern des Meisters selbst und zwar 
aus seiner besten, reifsten Zeit vor uns zu haben. 
Neben demselben ist sogleich ein dem Gegenstände nach ver- 
wandtes, im Museum zu Madrid befindliches Gemälde zu erwähnen, 
von dem wir erst vor Kurzem durch die letzte Arbeit unsres ver- 
storbenen Kunstforschers Waagen Kenntniss erhalten habenü). Es 
ist wiederum ein Triptychon und enthält die sieben Sakramente, je- 
doch so, dass sie sämmtlich auf der mittleren Tafel ihre Darstellung 
finden, während von den Flügeln der eine den Sündenfall, der andre 
1) Vgl. eine Abbildung des ganzen Gemäldes bei E. Förster, Denkmale, Band V. 
Der beigefügte Holzschnitt, nach einer Photographie gefertigt, giebt die Kreuzigung 
mit Fortlassung des Hintergrundes der Kirchenarchitektur und beabsichtigt nur, 
die Bemerkungen des Textes verständlicher zu machen. 
1') Waagen, über in Spanien vorhandene Bilder etc. bei von Zahn, Jahrbücher L 
p. 40 ff. TVeder Passavant, noch andere frühere Besucher der Galerie von Madrid 
erwähnen dieses Bildes, das also wahrscheinlich erst neuerlich dahin gelangt ist.
        

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