Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172916
178 
der 
Roger van 
Zeitgenossen. 
Weyden und seine fiandrischen 
wo er daselbst einzog, gefertigt ist1). Das Ganze besteht aus drei 
Tafeln, von denen die mittlere, bedeutend grössere (3' br. 6' 6" hoch), 
das Mittelschiff, die beiden anderen (2' br. 3' 9" hoch) je eines der 
Seitenschiffe einer stattlichen gothisehen Kirche enthalten, in welcher 
die Sakramente verwaltet werden. Sechs derselben sind auf den 
Flügeln dargestellt und zwar so, dass sie in flachen Seitenkapellen 
vorgenommen werden, auf der einen Seite Taufe, Firmelung, Beichte, 
auf der andern Priesterweihe, Trauung, letzte Oelung. Das Mittel- 
schiff des Domes und also die mittlere Tafel ist ausschliesslich der 
Verherrlichung des vornehmsten der Sakramente, der Eucharistie, 
gewidmet," die wir nun aber hier in zwiefacher Gestalt sehen. Hinten 
an einem Altare, der dem Lettner eingebaut ist, erblicken wir nämlich 
den Priester, der mit beiden Händen die Monstranz emporhebt, also 
iin wichtigsten Momente der Messe, wo das vollbrachte Wunder der 
Wandelung gefeiert wird. Vorn dagegen ist das Opfer, dessen un- 
blutige Wiederholung das Sakrament bildet, uns in seiner Wirklich- 
keit vor Augen gestellt. Wir sehen, obgleich innerhalb der Kirche, 
das hoch hinaufragende Kreuz mit dem menschlichen Körper des 
sterbenden Erlösers und neben demselben einerseits die hinsinkende 
Maria, von Johannes und einer Begleiterin unterstützt, andrerseits 
zwei knieende Frauen, die eine dicht neben dem Kreuze, die andere 
in einiger Entfernung. Die Seitenschiffe sind höchst belebt; wir sehen 
nicht bloss die Verwaltung der Sakramente, sondern auch die durch 
dieselben vermittelte Einwirkung der Kirche auf das bürgerliche 
Leben der Christenheit. Züchtige Frauen und ehrbahre Männer um- 
stehen als Zeugen das Taufbecken; Knaben mit der Binde um die 
Stirn entfernen sich in andächtiger Haltung von dem Bischöfe, der 
die Firmelung vollzieht. Besonders anmuthig ist die Trauung des 
ehrenvesten Bürgers mit der verschämten Jungfrau. Bei der letzten 
Oelung ist das Sterbeziinmer in die Kirche aufgenommen, der Priester 
steht am Bette des Sterbenden, zu dessen Füssen eine Frau sitzend 
aus geöffnetem Buche liest. Auch sonst fehlt es nicht an lebens- 
vollen Episoden, an betenden oder wandelnden Kirchenbesuchern, an 
Bettlern u. s. f. Im Mittelschiffe dagegen ist heiligeStille, wir sehen 
nur den Priester und die handelnden Personen jenes grossen tragischen 
Momentes, der uns durch das Sakrament vor Augen gestellt ist. 
Und in diesen erkennen wir dann die uns wohlbekannten Gestalten, 
welche wir in anderer Handlung und Stellung auf jener Kreulabnahme 
genaue Auskunft in dem Kataloge 
und von 1874 S. 438 ü". 
1) Vgl. die 
von 1857 S. 35 
des Museums 
Antwerpen 
VOI1
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.