Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172899
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der Weyden 
R0 ger van 
und 
iiandrischen Zeitgenossen. 
seine 
That hochpoetischen Rhythmus seiner Anordnung sich die Illustration 
des Satzes, dass irdische Freude sich in Leiden verwandele und erst 
aus diesem die ewige Freude hervorgehe, zur Aufgabe gestellt" zu 
haben. Dies findet denn auch in dem mit miniaturartiger Feinheit 
ausgeführten Beiwerk seine Bestätigung. An jener die drei Haupt- 
scenen einrahmenden Architektur stellen nämlich die Statuen Apostel 
und Evangelisten dar, die in der Bogenkrönung jedes Portals be- 
findlichen sechs kleinen, von Baldachinen gekrönten Gruppen aber 
auf dem Mittelbilde die Passionsgeschichte, also das Leiden, auf 
den beiden äusseren Tafeln aber Freuden der Maria, auf der ersten 
die Kindheitsgeschichte Jcsu, auf der letzten aber seine und ihre 
Erhebung; nämlich der Besuch der Frauen, welche ihr die Aufer- 
stehung Christi verkündigen, seine Himmelfahrt, die Ausgiessung des 
h. Geistes, dann ein Engel, welcher Marien vor dem Tode die Sieges- 
palme reicht, die Todesscene selbst und endlich ihre Krönung. Die 
Auferstehung und der Gang der Frauen zum Grabe, welche in diesen 
Gruppen fehlen, sind dagegen in der Landschaft des hrlittelbildes an- 
gebracht, gleichsam um dem im Vorgrunde dargestellten Schmerze 
schon einen Hoffnungsschimmer hinzuzufügen. Auf den Seitenbildern 
ist der Hergang in geschlossenen, kapellenartigen Räumen dargestellt, 
jedoch nicht ohne Aussicht ins Freie, auf die "dahinter fortgesetzte 
Landschaft des Mittelbildes, und diese ist ebenso weit ausgedehnt, 
ebenso heiter und von feinen Details belebt, mit derselben Farben- 
kraft und Harmonie gegeben, wie bei Johann van Eyck. Wir lernen 
Meister Roger daher hier von einer Seite kennen, welche bei jenem 
ersten Werke nicht zur Sprache kam. Dagegen lassen die Haupt- 
gestalten, obwohl schon wegen der kleineren Dimensionen in weniger 
greller Weise, dieselbe Tendenz, dasselbe fast rücksichtslose Streben 
nach dramatischem und charakteristischem Ausdruck erkennen. Auf 
dem ersten Bilde ist Maria, die das etwas verkummerte Kind auf 
dem Schoosse halt, sehr lieblich und edel, der sehr greisenhaft auf- 
gefasste Joseph aber, der das müde Haupt mit halbgeschlossenen 
Augen auf den Krückstock stützt und in Schlaf zu sinken scheint, 
eine fast genreartige Figur. Auf dem dritten Bilde ist die lebendige 
Bewegung beider Gestalten recht wohl gelungen, der auferstandene 
Erlöser, der leise, fast auf den Fussspit-zen, heranschreitet, und die 
knieende, mit dem Ausdrucke des Erstaunens sich umwendende Maria. 
Auf dem Mittelbilde tritt aber wieder die energische Betonung des 
Schmerzes hervor; Maria mit den sichtbaren Thranen auf ihrer Wange 
und dem tiefschmerzlichen Ausdrucke ihrer Züge halt den wunden, 
mageren Leichnam, dessen Erstarrung ihn fast geradlinig erscheinen
        

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