Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172802
eines älteren und jüngeren Roger. 
Irrige Annahme 
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bemerkt hatte, oder an der Richtigkeit dieser Annahme zweifelte, 
glaubte sie trennen zu müssen. Er spricht zunächst von einem 
„Rogier van Brugghe", dem unmittelbaren Schüler J ohann's van Eyck, 
nach dessen Werken er sich in seiner angeblichen Vaterstadt umsah 
und da er nichts Anderes fand, ihm einige in Leimfarbe gemalte 
Tapeten zuschrieb. Von ihm unterscheidet er dann den „Rogier van 
der Weyde" von Brüssel, den Urheber jener gepriesenen Gemälde 
im Stadthause daselbst, den er aber erst im Jahre 1529 sterben 
lässt. Diesen Angaben van Mandens folgte nun die Kunstgeschichte, 
so gut es ging, bis im Jahre 1846 der Archivar Wauters zu Brüssel 
eine Reihe von ihm entdeckter, urkundlicher Notizen über Roger van 
der Weyden publicirte, aus denen hervorging, dass derselbe schon 
einige Zeit vor dem 2. Mai 1486 in Brüssel als Stadtmaler angestellt 
gewesen und daselbst im Jahre 1464, wahrscheinlich am 16. Juni, 
gestorben sei 1). Fiel hiernach das Leben Rogers van der Weyden 
in eine Zeit, welche es gestattete, ihn für einen Schüler Johann's 
van Eyck zu halten, so hatte man auch keinen Grund, jenen älteren 
Roger von Brügge festzuhalten; man erklärte ihn daher für identisch 
mit dem Stadtmaler von Brüssele). Nun aber entstanden andere Be- 
denken. Man fand neben den Gemälden, welche man auf Grund aller 
Nachrichten Roger zuschreiben konnte, andere, welche Nachbildungen 
seiner Manier und selbst seiner Gompositionen, aber nicht von seiner 
eigenen Hand zu sein schienen, darunter eines mit der Jahreszahl 
1488, wo jener Roger längst verstorben war; man konnte sich auch 
nicht entschliessen, van Mander's mit genauen Nebenumständen vor- 
getragene Angabe des Todesjahres von 1529 geradezu zuverwerfen. 
Dazu kam denn, dass man in den Registern der St. Lucas-Gilde zu 
Antwerpen im Jahre 1528 die Aufnahme eines Meisters Roger van 
der Weyden notirt fand. Man schloss aus diesen und einigen anderen 
Gründen, deren Ausführung hier zu weitläufig sein würde, dass es 
wirklich zwei Meister dieses Namens gegeben habe, von denen der 
eine, der Schüler van Eyclds, im Jahre 1464, der andere 1529 ver- 
storben, dass zwischen beiden ein verwandtschaftliches Verhältniss 
bestanden und der jüngere den Styl des älteren nachgeahmt habe, 
und begann nun rüstig unter der ziemlich grossen Zahl verwandter 
1) Im Messager des Sciences lüstoriques, Gand 1846 p. 131. Vgl. damit die 
spätere vollständigere Schrift desselben Verfassers: Wauters, Roger van der 
Weyden, ses oeuvres, ses eleves et ses descendants, Bruxelles 1856. 
2) So Wauters selbst, Michiels (1. Auü. 1846) III. 407, Waagen im Kunstblatt 
1847 S. 169. Crowe und Cavalcaselle, The early {iemish painters 1857,
        

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