Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172791
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und seine fiandrischen Zeitgenossen. 
der Weyden 
Roger van 
ernannt hatte. Die Geschichte dieses bedeutenden Künstlers, welche 
wie die der Brüder van Eyck erst aus italienischen Quellen an van 
Mander gelangt und durch diesen und durch die späteren auf seine 
Angaben gegründeten Hypothesen eigenthümlich verwirrt und ver- 
dunkelt war, ist erst in jüngster Zeit durch aufgefundene archivalische 
Notizen bedeutend aufgeklärt und bedarf zu ihrem Verstandnisse 
eines Rückblickes auf die bisherigen, in den meisten neueren Werken 
vorgetragenen Meinungen.  
Die Italiener, denen der Name Roger's ziemlich gleichzeitig mit 
dem Johann's van Eyck durch die dorthin gelangten Bilder bekannt 
wurde, legten sich das Verhältniss beider sehr einfach dahin zurecht, 
dass sie Johann, den Erfinder der neuen Malweise, als den Meister, 
Roger als seinen Schüler, und da Johann in Brügge lebte und lehrte, 
als von daher stammend betrachteten. Sie nannten ihn also Ruggiero 
da Bruggia, zuweilen aber-auch, da er, wie man wusste, in Brüssel 
lebte, Ruggiero di Burselles 1). 
Auch bei Vasari kommen beide Namen vor, indem er ihn zwar 
in den schon in der ersten Auflage befindlichen Nachrichten über 
die flandrische Schule nur als Ruggiero da Bruggia, in dem nach 
den Mittheilungen des Lampsonius hinzugefügten Kapitel aber sehr 
vollständig als Ruggiero van der Weyde di Bruselles benennt. In- 
dessen scheint er sich der Identität beider Personen bewusst gewesen 
zu sein, da er sie beide Male als den Lehrmeister des berühmten 
Ausse oder Hans (Hans Memling) bezeichnet. Auch in den Nieder- 
landen ist bis auf Carl van Mander nur von einem Maler dieses 
Namens die Rede, den Albrecht Dürer in seinem Tagebuche bei Ge- 
legenheit der Gemälde im Rathhause zu Brüssel und sonst schlecht- 
weg den „gr0ssen Meister Rudier" nenntg). Erst van Mander, der 
jene Hinweisung auf die Identität beider Personen bei Vasari nicht 
1) Schon der erste Italiener, der von Roger spricht, Cyriacns von Ancona, 
braucht beide Ortsbezeichnungen gleichzeitig; er nennt ihn in der Ueberschrift 
Rugerius Brugiensis, im Texte aber Rugerius in Bursella. Facius, der ihm wie 
dem Johannes pedantischer Weise den Beinamen Gallicus giebt, bezeichnet ihn 
doch als: J oannis conterraneus, was nach italienischen Begriffen den Ursprung aus 
derselben Stadt bedeutet, und zeigt dadurch, dass er ihn aus Brügge gebürtig hielt. 
Bei dem Anonymus des Morelli kommen wieder beide Namen vor, ohne dass es 
klar ist, ob er dabei an zwei verschiedene Personen gedacht hat (ed. Bassano 1800. 
p. vs. 81). 
2) Vasari I. 163. IV. 76. XIII. 148. Dürerls Reliquien S. 88 und S. 121. 
Guicciardini (1567) u. Opmeer (Chronographus Tom. I. p. 406) bezeichnen Roger 
van der Weyden von Brüssel als den der Zeit nach nächsten Nachfolger 
der Eyck's.
        

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