Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172769
Oelfarbentechnik unabhängig von den van Eyck. 
Uebung der 
163 
Leider sind wir auch über ihre Schüler ganz ununterrichtet. 
Vasari, nach ihm van Mander und unzählige Andere versichern, dass 
Roger van der Weyden und Antonello da Messina von Johann in 
der Kunst des Oehnalens unterwiesen seien; aber jener kann, wie 
wir später sehen werden, nur als reifer Mann mit ihm in Berührung 
gekommen sein, und dieser gelangte wahrscheinlich erst nach dem 
Tode Johann's nach Flandern. Van Mander versichert, Hugo van 
der Goes sei einer der wenigen Schüler Jan's van Eyck gewesen; 
allein das sehr viel spätere Auftreten Hugo's macht auch dies un- 
wahrscheinlich. Ausserdem hatte man Petrus Cristus als einen 
Schüler Hubert's genannt, aber diese Vermuthung beruhete auf einem 
jetzt als unrichtig erkannten Datum und ist nicht haltbar 1). Auf 
der andern Seite ist aber auch Vasarfs Erzählung, dass Johann das 
Geheimniss seiner Erfindung bis in sein spätes Alter bewahrt und 
erst da Einzelnen mitgetheilt habe, nicht sehr wahrscheinlich. Wir 
haben Spuren, dass die Oelmalerei in Gent schon längere Zeit vor 
Johann's Tode bekannt war. Schon im Jahre 1419 beauftragte die 
Stadtbehörde die Malermeister Jan Martins und Willem van Axpoele, 
im Schöffenhause die Gestalten der Grafen und Gräfinnen von Flan- 
dern und zwar „in guter Oelfarbe", wie dabei ausdrücklich hinzu- 
gefügt wird, ohne ätzende Zusätze zu malen. Die ausführlichen Vor- 
schriften des Vertrages lassen keinen Zweifel, dass es sich nicht etwa 
um den Oelanstrich von Statuen, den man schon seit Jahrhunderten 
kannte, handelte, sondern um eine Malerei auf der Fläche, aber frei- 
lich auch nicht von landschaftlich ausgeführten Tafelbildern, sondern 
von einer statuarisch gehaltenen _Wandmalerei; denn es ist ausdrück- 
lich von der Malerei der Architektur, also der iingirten Nischen, in 
denen die Gestalten standen, die Rede. Es bedurfte dazu wohl nicht 
der ganzen Eyckschen Technik, aber doch schon einer geläufigen 
Praxis im Gebrauche der Oelfarben, da die Maler sich verpiiichteten, 
die ganze Arbeit, wie man berechnet hat, etwa dreissig Figuren, in 
vier Monaten fertig zu stellen. Im Jahre 1425 verpflichtete sich der 
Meister Jan de Scoenere eine Kapelle in der Ohristuskirche zu Gent. 
herzustellen und dabei die „Geschichten unsrer Frau" und das "Abend- 
1) Der Umstand, dass der Teppich auf den Bilde des Peter Oristus im 
Staedelschen Institute dasselbe Muster mit dem auf der daselbst beündlichen Ma- 
donna. (von Lucca) des J an van Eyck hat, ist nicht entscheidend, da das gedachte 
Bild von 1447 (nicht 1417) und mithin erst 7 Jahre nach dem Tode Johannls ent- 
standen ist. [Indess ist, abgesehen hievon, nach den datirten Werken des Oristus 
die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass er wirklich ein Schüler des Johann van 
Eyck waxx]  
11'
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.