Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172727
neuen Kunstweise. 
der 
Anerkennung 
Zeitgenössische 
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trotz des grössten Fleisses, trotz der schärfsten, liebevollsten Be- 
obachtung, von der seine Bilder Zeugniss geben, der Natur nicht 
vollkommen genügen konnte 1). Aber ebenso gewiss ist es, dass diese 
naturalistische Weise es war, welche seinen Ruhm begründete und 
eine so gewaltige llfirkung hervorbrachte. Von ihr allein sprechen 
die frühesten Berichterstatter, sie war. es, die man in den Kabinetten 
der Kunstfreunde bewunderte. Den Zeitgenossen wurde dadurch eine 
neue Welt erschlossen; an einzelnen heiteren Gestalten, an natura- 
listischen Anklängen hatten sie sich schon früher in den Miniaturen 
erfreut, aber der volle Reichthum der Schöpfung, die Gediegenheit 
der Dinge und die grosse Einheit der Natur wurden ihnen erst jetzt, 
erst durch diese Kunst offenbar. Es war damit eine neue Bahn er- 
öffnet und eine Richtung begründet, von der man erst im Anfange 
des sechzehnten Jahrhunderts abwich. Wir besitzen eine poetische 
Aeusserung, welche sehr deutlich ausspricht, was man damals von der 
Kunst forderte. Es ist die Grabschrift, welche für den Simon War- 
inion, einen damals hochgeschätzten Maler zu Valenciennes (1- 1489) 
von einem gelehrten Landsmanne verfasst wurdeß). Er lässt in dem 
ziemlich umfangreichen-und schwülstigen Gedichte den Maler selbst 
seine Werke schildern, und dabei unter Anderm sagen: 
Ciel, soleil, feu, air, mer, terre visible, 
Mätaulx, bestiaux, habits rouges, bruns,.verts, 
Bois, bled, champ, pretz, toute chose sensible, 
Par art fabrique ai atteint {es possible, 
Autant ou plus que nuls des plus experts, etc. 
Der Poet ist vom Reime geleitet und nennt nur, was in sein 
Versmaass passt, aber dennoch giebt uns seine Schilderung den Ein- 
druck der reichen Mannigfaltigkeit, die in den ilandrischen Bildern 
herrscht und hebt in der That die meisten der Dinge heraus, welche 
darin hervorleuchten und das Auge fesseln. Allerdings macht diese 
Aufzählung den Eindruck des Unruhigen und Haltungslosen, allein 
(lieser wird im Bilde durch einen andern Vorzug der Eyclischen 
Kunst gehoben, den unser Poet dann auch sogleich (immer wieder 
durch den Mund des Malers) berührt: 
1) Es findet sich nicht bloss auf Madonnenbildern (in Jnce Hall und in Ant- 
werpen) sondern auch bei blossen Porträts (N0. 222 in der National-Galerie zu 
London). 
2) Vgl. sie bei de Laborde, Duos de Bourgogne, V01. II. pag. XXVIII. und 
bei Michiels a. a. O. III. p. 431.
        

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