Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172689
Künstlerische Richtung 
J ohamfs. 
155 
I. Lief. p. 19]. Unter den Porträts verdient vor Allem Erwähnung 
das Brustbild eines alten Mannes mit zwei Nelken in der Hand, 
früher im Besitze des Herrn B. Suermondt zu Aachen, jetzt im Mu- 
seum zu Berlin; es wetteifert in Naturwahrheit und Individualisirung 
mit dem Jodocus Vydts auf dem Genter Altar. [Im Belvedere zu 
Wien der treffliche Kopf eines alten Mannes, von der Gesellschaft für 
vervielfältigende Kunst zu Wien in Farbendruck herausgegeben]. 
Zahlreiche andere Werke, deren Aufzählung hier zu weit führen 
würde, nähern sich der Weise unseres Meisters so sehr, dass man 
sie nahestehenden Schülern zuschreiben muss 1). 
Vergleichen wir die künstlerische Richtung Johann's van Eyck, 
wie sie sich aus seinen Werken, den erhaltenen sowohl als den nur 
nachrichtlich bekannten, ergiebt, mit der seines älteren Bruders, wie 
sie sich im Genter Altar zeigt, so ist eine grosse Verschiedenheit 
augenscheinlich. Von einer Vorliebe für mystisch religiöse Ideen, 
für umfassende auf die Entfaltung tiefer Gedanken berechnete Com- 
positionen ist bei dem jüngeren Bruder keine Spur. Selbst das Bild 
aus St. Martin in Ypern enthält nur eine einfache und hergcbrachte 
Symbolik, die ohne Zweifel der Besteller vorgeschrieben hatte, und 
das mit der Weihe des Thomas Becket stellt zwar einen historischen 
Moment dar, aber doch nur einen sehr äusserlichen, und das mit 
einer mässigen Zahl ziemlich kleiner Figuren. Abgesehen aber von 
diesen beiden Werken, die entweder ihm nicht gehören oder Aus- 
nahmen bilden, verzichtet er durchweg völlig auf den Ruhm der 
Grossartigkeit oder tiefer Erfindung. Seine Werke sind von kleinen, 
oft miniaturartigen Dimensionen und dabei entweder Porträts, oder 
genreartige Scenen, oder endlich, wenn Andachtsbilder, so aufgefasst, 
dass die heiligen Gestalten in die vollste irdische Wirklichkeit ver- 
setzt sindxund die lebenstreue Darstellung aller Gegenstände bis in 
das kleinste Detail zur Hauptaufgabe des Künstlers geworden ist. 
Gegen das Bestreben der älteren Meister etwa der Kölner Schule, 
ihre Gestalten schlank, die Gesichtszüge zart und geistig zu bilden, 
scheint er fast in bewusster Opposition zu stehen. Der typisch stren- 
gen bewegungslosen Haltung des Christnskopfes, wie sie in Flandern 
1) S0 die zwei Flügelbiider (Kreuzigung und Weltgericht), welche der russische 
Gesandte Tatitscheff in Spanien gekauft hatte und Passavant im Kunstblatte 
1841 N0. 3 beschreibt. So ferner die jetzt; im Museum zu Madrid befindlichen 
Stiftungsbilder des Magister Werlis aus Köln v. J. 1438, Passavant: Christ- 
liche Kunst in Spanien und Waagen bei v. Zahn, Jahrbücher für Kunstwissen- 
schaft I. 47.
        

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