Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172662
Werke Johann's in 
Dresden u. 
Frankfurt, 
Paris, 
153 
sion (Quadretti) und überwiegend landschaftlichen oder genreartigen 
Inhalts waren. 
Die Inventarien der Erzherzogin Margaretha nennen als Werke 
des Johannes ausser dem oben erwähnten Verlobungsbilde des Arnol- 
üni nur Porträts und kleine Madonnenbilder. Auch Vasarfs Nach- 
richten enthalten nichts Bemerkenswerthes 1), und van Mander, der bei 
späteren Niederländischen Malern wohl von zerstreuten Bildern be- 
richtet, die er bei irgend einem Kunstfreunde gesehen, begnügt sich 
hier, die Angabe Vasarfs und des Marc van Vaernewyck nachzuschreiben. 
Die neueren Kunstforscher sind glücklicher gewesen und haben 
eine ziemlich grosse Zahl von Gemälden entdeckt, welche zwar ohne 
Inschrift, aber den beglaubigten Werken Johanns ähnlich sind und 
demselben zugeschrieben werden dürfen. Ich begnüge mich, die vor- 
züglichsten und zuverlässigsten anzuführen. Bei Weitem die meisten 
derselben sind Madonnen oder Andachtsbilder mit wenigen Figuren 
und in sehr kleiner Dimension, aber von feinster miniaturartiger Aus- 
führnng. Dahin gehört zunächst ein reizendes Bild im Louvre, früher 
in der Sakristei der Kathedrale von Autun: Maria mit dem Kinde 
von einem Engel gekrönt auf einer Bank sitzend, vor ihr knieend 
ein ältlicher Mann von geistig bedeutenden Zügen in reichem dunkel- 
violettem Amtskleide, wie man aus alten Nachrichten weiss, der 
Kanzler Philipp des Guten, Rollin (T 1461)2). Die Halle, in der dies 
1) Vasari erwähnt a. a. O. dreier Bilder Johanns des heiligen Hieronymus, 
dessen in einer vorhergehenden Anmerkung gedacht ist, der "Stufa" beim Herzog 
von Urbino, welches Wort van Mander wohl richtig durch Badestube deutet, so dass 
damit das von Facius als im Besitze des Cardinal Octawrian befindlich beschriebene 
Bild gemeint sein kann und endlich drittens eines Bildes beim König Alfonso 
von Neapel, dessen Gegenstand er nicht näher angiebt, von dem er aber später 
sagt (im Leben des Antonello da Messina IV. p. 77), dass darauf viele Figuren 
seien. Höchst wahrscheinlich ist es das von Facius erwähnte Flügelbild des Baptista 
Lomellino. Verleitet durch eine Nachricht, welche der Neapolitaner Massinio 
Stalllißni (geb. 1585) in seinen handschriftlichen Notizen und nach ihm Dßmillißi 
in seiner fabelreichen Kunstgeschichte Neapels giebt, hat man indessen eine An- 
betung der Könige dafür genommen, welche noch jetzt in Neapel in der Kirche 
S. Barbara im Castel nuovo sich befindet. So die Herausgeber des Vasari a. a. 0. 
IV. 77 und Crowe und Cavalcaselle I. 96. [Die Letzteren indess sprechen es ihm 
in der ll. Auti. ihrer „Early flemish painters" p. 123 ab]. Dies Bild ist nun nicht 
bloss (wie man nach Stanzioni angenommen) in einigen Köpfen übermalt, sondern 
ist überhaupt nicht ein so frühes Werk, vielmehr die Arbeit eines der vielen 
Niederländer, die am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts ihre heimische 
Weise durch italienische Studien zu verbessern suchten. Man erkennt darin deut- 
lich die Nachahmung des Leonardo da Vinci. 
1') Vgl. bei Crowe und Cavalcaselle a. a. O. II. Auflage S. 96 und deutsche
        

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