Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172621
Der 
ZEUS 
Altar 
der 
Kathedrale zu Ypern. 
149 
Am Schlusse dieser Reihe datirter Bilder ist eines zu nennen, 
welches, wenn die (larüber erhaltenen Nachrichten zuverlässig wären, 
die letzte durch seinen Tod unterbrochene Arbeit unsres Meisters 
sein würde. Es ist ein Fliigelbild; auf der Mitteltafel die lebens- 
grosse Gestalt der Jungfrau mit dem Kinde nebst einem knieenden 
Abt-e; auf den Flügeln vier bekannte Symbole der Jungfräulichkeit 
Marias, der brennende Busch des Moses, das Vliess des Gideon, die 
verschlossene Pforte EzechiePs und die blühende Gerte Aarons, auf 
der Aussenseite endlich grau in grau die Vision des Augustus mit 
der anbetenden Sibylle, diese Aussenbilder indessen ebenso, wie die 
Flügel, unvollendet. Das Bild, angeblich in der französischen Revo- 
lution oder schon früher aus der Kathedrale von Ypern, wo es seine 
Stelle gehabt, versclnvuiiden, tauchte im Anfange dieses Jahrhunderts 
auf und ging nun in die Hände von Privatbesitzern über, welche 
(larin ein Werk Johanns van Eyck nachweisen zu können glaubtenl). 
Der bereits oben erwähnte belgische Schriftsteller van Vaernewyck 
Spricht nämlich in zweien seiner Schriften (1562 und 1574) von einem 
Bilde Johanns in der Kirche St. Martin zu Ypern, dessen Gegen- 
stände er ohne die Aussenseite zu erwähnen ganz so, wie angegeben, 
auch in Beziehung auf die mangelnde Vollendung beschreibt. Guic- 
ciardini erwähnt wenigstens eines schönen Bildes von ihm in Ypern, 
ohne es naher zu bezeichnen, van Mander aber bespricht es wieder 
ausführlich. Indessen gebraucht er dabei das Perfectum und wieder- 
holt genau die Worte des Vaernewyclz, so dass entweder das Bild in 
der Zwischenzeit untergegangen, oder dass es doch ihm unbekannt 
geblieben war und von ihm nur auf die Autorität jenes älteren 
Schriftstellers erwähnt wurde. Ungeachtet dieser Uebereinstimmung 
der Gegenstände mit diesen Beschreibungen gestattete aber der An- 
blick des aufgefundenen Bildes nicht, es ohne Weiteres für ein Ge- 
mälde Jan's van Eyck zu halten; es stimmte zu wenig mit seiner 
Behandlungsweise überein. Die ersten "Betrachter (Passavant, Caval- 
caselle) erklärten es daher für eine Copiea). Andere dagegen hielten 
es fürunwahrscheinlich, dass man auf einer Copie auch die unvoll- 
1) Zuerst war es im Besitze des Herrn Bogaert Dumortier in Brügge, bei dem 
ES Passavant (Kunstreise S. 367), Crowe und Cavalcasellefa. a. O. S. 102) Waagen 
(Kunstbl. 1849 S. 61) und ich selbst sahen, dann bei Herrn van den Schrieck in 
Löwen, dessen Schwiegersohn, Herr Schollaert, es noch besitzen soll. 
2) Eine aufgefundene Notiz aus dem vorigen Jahrhundert erwähnt, dass das 
Original bei (ler Anlage einer "Marmorbekleidung des Chors aus demselben ent- 
fernt sei, dass sich aber eine Copie in einer andern (Japelle der llIartins-Kirche 
befinde. Passavant a. a. O. S. 369.
        

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