Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172552
142 
Johann van Eyck. 
Hubert und 
lebendigen Wassers nicht mehr durch den Gegensatz, sondern durch 
die Ueberwindung desselben, durch Herbeiströmen aller Völker und 
Stände zu jenem Quell der Gnade dargestellt werden konnte. Beide 
Werke zeigen sich also in einem inneren Zusammenhange, sie zeigen 
dieselbe freie und sinnreiche Auffassung biblischer und kirchlicher 
Begriffe; sie beschäftigen sich mit demselben Gedanken. Man könnte 
das Madrider Bild für einen ersten Versuch, demselben gerecht zu 
werden, den Genter Altar für die zweite gewaltig erweiterte und ver- 
besserte Auiiage halten. Nimmt man daher Alles zusammen, die 
genaue Verwandtschaft der himmlischen Gestalten, sowie vieler Grup- 
pen und Figuren, dann des ganzen Gedankenganges, selbst in den 
abweichenden Resultaten, so wird es überaus wahrscheinlich, dass 
beide Compositionen von demselben Meister, also von Hubert van Eyck 
herrühren, ja man wüsste kaum einen andern zu nennen, dem man 
die des Madrider Bildes zuschreiben könnte. 
Allein die Ausführung entspricht nicht der des Genter Altars, 
sondern lässt auf einen spatern Maler iiandrischer Schule schliessen, 
der sich aber nicht mit Bestimmtheit angeben lässt 1). Wir müssen 
uns daher mit der Wahrscheinlichkeit begnügen, eine Coinposition 
von ihm zu besitzen, die durch irgend einen Zufall später benutzt 
werden ist. Bei den anderen Bildern, die man ihm hat zuschreiben 
wollen, fehlt nicht nur jeder Beweis, sondern auch die Wahrschein- 
lichkeit, dass sie ihm angehören 2). 
1) Passavant a. a. O. gab den Namen Hubert's mit Bestimmtheit an; "Crowe 
und Cavalcasclle entschieden sich für Johann van Eyek; zuerst Otto llflüllßllßl" (in 
Kuglens Handbuch, 4. Ausg. Bd. Il. S. 381) widersprach dem und erklärte sich 
in dem eben angedeuteten Sinne, und ebenso iiel WVaageifs Urtheil aus. Ich selbst 
habe das Original nicht gesehen und zweifle nicht an der Richtigkeit des Urtheils 
dieser beiden so zuverlässigen Kenner. [Indess die bescheiden in die linke Ecke 
des Bildes zurückgezogene Figur trägt so offenbar die Züge des jüngeren van Eyck, 
die Köpfe der vor dem Brunnen Knieenden sind so meisterhaft individualisirt und 
scharf geprägt, wie wir es aus jener Zeit nur von ihm kennen, so dass Orowe und 
Cavalcaselle, wenigstens was die Ausführung betrifft, doch wohl Recht behalten 
werden] 
2) Das Bild des h. Hieronymus mit dem Löwen in seiner mit Büchern gefüllten 
Klause im Museum zu Neapel (abgebildet bei d'Agincourt: Peinture Taf. 132), 
früher dort Colantonio del Fiore genannt, wurde von Waagen (Kunstbl. 1847. S. 162 
und Handbuch I. 74) unbegreiilicher Weise dem Hubert van Eyck zugeschrieben. 
Es ist allerdings eine Nachahmung niederländischer Kunst in mühsamer aber ziem- 
lich ungeschickter Weise und nach meinem Urtheile, so wie nach dem des Dr. Friz- 
zoni in Burckhardfs Cicerone, 2. Anti. S. 855 und dem von O. Mündler in seinen 
Beiträgen zu demselben Werke S. 28 die Arbeit eines unbedeutenden Italieners.  
Das Madonnenbild der altflandrischen Schule, früher im Besitze des Ilerrn Suer- 
mondt in Aachen, jetzt im Museum zu Berlin, abgebildet in v. Lützow's Zeit-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.