Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172525
Der 
Brunnen des lebendigen Wassers. 
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Neuere Kunstforscher haben ihm mehrere zugeschrieben, unter denen 
eines in der That mit ihm verwandt scheint und jedenfalls sehr merk- 
würdig ist. Es gelangte aus dem Kloster del Parral bei Segovia in 
das Museum zu Madrid und enthält auf einer einzigen Tafel und in 
ziemlich kleinen Dimensionen eine mystische Darstellung, den Brunnen 
des lebendigen Wassersl). Das Gerüst der Composition bildet ein 
terrassenartiger Bau im reichsten gothischen Style. Auf dem ober- 
sten Absatze thront unter einer von einem thurmartigen Baldachin 
bekrönten Halle Gott Vater, wie auf der Genter Tafel im Purpur- 
gewande, mit einer hohen Tiara, die Rechte lehrend gehoben, in der 
Linken das Scepter. Neben dieser Halle sitzen, und zwar ganz ähn- 
lich gewendet wie dort, zur Rechten Gottes Maria, zur Linken Jo- 
hannes, hier aber nicht der Täufer, sondern der Evangelist. Am Throne 
Gottes sind die Zeichen der vier Evangelisten angebracht und auf der 
Stufe zu den Füssen des Vaters ruht das Lamm, während unmittelbar 
unter demselben aus dem Steine eine Quelle entspringt, in welcher 
Hostien schwimmen und die nun weiter über die zweite von grünem 
Rasen bedeckte Stufe des 'l'errassenbaues fortfliesst und sich unter- 
halb des Randes desselben in ein mit reicher gothischer Zierde ge- 
schmücktes achteckiges Becken ergiesst. Auf dem Wiesengrunde der 
mittleren Terrasse sitzen musicirende, in den auf beiden Seiten die- 
selbe begrenzenden durchbrochenen Thürmchen stehen singende Engel, 
wiederum wie auf der Genter Tafel im Jünglingsalter und ohne Flü- 
gel. Im Vorgrunde des Gemäldes zu beiden Seiten des achteckigen 
Beckens zeigt sich aber eine unerwartete Scene. Auf der einen Seite 
(Fig. 5) zur "Rechten Gottes ist nämlich die Christenheit mit ihren 
Ständen repräsentirt, Papst, Cardinal, Bischof und einige andere Geist- 
liche, Kaiser, König und einige andere Weltliche, sammtlich knieend, 
mit Ausnahme des aussersten Mannes links. Auf der andern Seite 
1) Der bekannte Reisende Antonio Ponz (Viage de Espaüa. NIadrid, 1785. 
V01. IX. p. 145) sah anscheinend dasselbe Bild in einer Kapelle zu Valencia. Vgl. Be- 
schreibungen desselben von Passevant, die christliche Kunst in Spanien S. 126, 
Crowe und Cavalcaselle, Anciens peintres etc. p. 91, Hotho, Malerschule II. 75 und 
Geschichte der christlichen Malerei, p. 450 ff., Waagen, in v. Zahn's Jahrbücher 
der Kunst-Wissenschaft, Bd. I. (1868) S. 39 u. Crowe und Cavalcaselle: Geschichte 
der altniederiändischen Malerei, deutsch von A. Springer S. 96 ff. Das Bild ist 
(nach Otto Mündlerls Notizen) nur etwa. 5' hoch und 3' 9" breit und giebt 
daher die Figuren in sehr geringer Dimension, etwa in der Grösse von einem 
Fusse. Eine vortreffliche Durchzeichnung beündet sich im Kupferstichcabinet des 
Berliner Museums: aus ihr ist die beigefügte Zeichnung einer Gruppe genommen, 
Eine gute Photographie von Laurent ist im Handel, eine kleine Abbildung bei 
Crowe und Cavalcaselle.
        

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