Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172508
der Brüder zu einander. 
Verhältniss 
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doch in eine andere Werkstätte begeben habe und erst, nachdem 
er hier die grosse Eriindung vollendet, zu seinem Bruder zurück- 
gekehrt sei, um ihn die Praxis der neuen Malweise zu lehren. Man 
kann nicht sagen, dass diese Annahme chronologisch unmöglich sei; 
wenn Hubert, wie van Mander glaubt, 1366, Johann 1380 geboren 
ist, so konnte dieser sehr wohl 1405 die Lehrzeit bei jenem voll- 
endet und das Meisterrecht erlangt, bis 1410 jene Erfindung gemacht 
und demnächst bis 1422, wo er dem Rufe jenes fremden Fürsten 
folgte, mehrere Jahre mit seinem Bruder gemeinschaftlich gearbeitet 
und ihm die neue Weise beigebracht haben. Allein, wenn nicht un- 
möglich, ist dies doch sehr unwahrscheinlich. Unzählige Beispiele 
zeigen uns, wie schwer es einem gereiften Meister, namentlich in 
jener Zeit wuirde, alte Gewohnheiten abzulegen und eine neue Tech- 
nik anzunehmen. Wir werden später Beispiele finden, wie langsam 
sich in den Niederlanden selbst die neue Erfindung verbreitete. Nun 
könnte freilich Hubert eine Ausnahme gebildet, sich in seinem fünf- 
undvierzigsten Jahre noch so viel Jugendfrische und Gewandtheit er- 
halten haben, um der Schüler seines Bruders zu werden und sich 
die Technik desselben ganz anzueignen. Allein damit ist dann jene 
Inschrift schwer in Einklang zu bringen; wenn Johannes sich be- 
wusst gewesen wäre, seinen Bruder durch die Mittheilung und Ein- 
übung der neuen Weise gewaltig gefördert zu haben, hätte er sich 
kaum so, wie es darin geschieht, über ihn äussern können. Aller- 
dings sind alle älteren Berichterstatter bis in den Anfang des gegen- 
wärtigen Jahrhunderts hinein darüber einig, dem Johannes allein diese 
Eriiudung zuzuschreiben, und es scheint willkürlich und gewagt, ihnen 
zu widersprechen 1). Allein diese Berichterstatter sind keinesweges 
nahestehende und selbständigeZeugen, sie schöpfen alle aus Einer 
und zwar aus einer sehr trüben Quelle. In den Niederlanden selbst, 
das darf man nicht vergessen, hatte sich keine Tradition über die 
Erfindung der Oehnalerei erhalten; sie hatte den Nahestehenden, wie 
dies so oft geschieht, nicht so imponirt, wie den Entfernteren, die 
ihre Tragweite besser beobachten konnten. Die Ersten, die darüber 
berichten, sind daher Italiener, und die Niederländer wurden erst 
später durch diese über die Hergänge in ihrem eignen Lande belehrt. 
Lucas de Heere spricht, wie schon erwähnt, mit dürren Worten aus, 
dass „ein Italiener" davon schreibe, Johannes habe diese Erfindung 
1) [Indess lässt die betreifenele Stelle in der zweiten Auflage des Vasari die 
Deutung zu, dieser Schriftsteller habe später Hubert für den Eriinder der Oel- 
malerei gehalten].
        

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