Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172497
136 
und Johann van Eyck. 
Hubert 
Recept der Farbenbereitung setzte, war dies sehr leicht erklärbar; 
es genügte anzunehmen, dass Johann seine Erfindung allen Andern 
verborgen, seinem Bruder aber mitgetheilt habe. Seitdem wir wissen, 
dass das Chemische, die Verbindung der Farben mit Leinöl, längst 
bekannt war, dass es sich um eine neue Malweise handelte, reicht 
dies nicht mehr aus; es gehörte ein längeres gemeinschaftliches Ar- 
beiten dazu, um zu so völlig gleicher Technik zu gelangen. Guicciar- 
dini hatte daher eine ununterbrochene Gemeinschaft Beider voraus- 
gesetzt; va11 Mander konnte die Nachricht, dass Hubert die Genter 
Tafel allein angefangen und Johannes sie nach dem Tode desselben 
fortgesetzt habe, nicht glauben, sondern hielt dafür, dass die Be- 
stellung Beiden gemeinschaftlich gemacht und die Ausführung von 
Anfang an eine gemeinsame gewesen sein müsste. Diese Vermuthung 
ist jetzt durch die Inschrift widerlegt und wir wissen durch die ur- 
kundlichen Nachrichten, dass die Brüder in den letzten Jahren vor 
Hubert's Tode gar nicht gemeinschaftlich gearbeitet hatten. Mindestens 
von 1422 an war Johannes im Dienste des bayerischen Herzogs, der 
als Graf von Holland gewöhnlich im Haag residirte, mithin ausser- 
halb Flanderns gewesen, und als er 1425 in die Dienste Philipps des 
Guten trat, werden ihm die vielfachen Geschäfte dieses neuen Herrn 
kein ruhiges Zusammenleben mit seinem Bruder gestattet haben. 
Diese Gemeinschaft, auf welche die Gleichheit der Technik hinweist, 
muss daher in eine frühere Zeit fallen; dann aber fragt sich, wie 
dies mit der Annahme, dass Johannes allein der Erfinder der neue- 
ren Malweise sei, sich viereinigen lässt. Setzt man voraus, was in 
der That am natürlichsten ist, dass diese Gemeinschaft sich unmittel- 
bar an die Lehrjahre des Johannes angeschlossen habe, so dass dieser 
nun als gleichberechtigter Meister in der Werkstatt des Bruders ge- 
blieben sei, so ist es kaum denkbar, dass Beide dabei ihrem inner- 
lichen Verhältnisse nach nun plötzlich die Rollen vertauscht hätten, 
dass Hubert, der ursprüngliche Lehrer, nun der empfangende Schüler 
seines jüngeren Bruders geworden, dass dieser die, wie wir wissen, 
höchst umfassende, auf vielfachen Erfahrungen und Versuchen be- 
ruhende Erfindung ganz allein in seinem Haupte und an seiner Staffelei 
zu Stande gebracht und erst als sie fertig, seinen Bruder davon in 
Kenntniss gesetzt habe. Es ist vielmehr, man darf sagen, so gut wie 
gewiss, dass schon der erste keimende Gedanke, bei wem er auch 
zuerst aufgekommen sein mag, dem Antlern mitgetheilt und von Beiden 
erwogen, erprobt und alhnälig weiter ausgebildet wurde. Will man 
dies nicht, so muss man annehmen, dass Johannes nach Beendigung 
seiner Lehrzeit sich von Hubert getrennt, in eine andere Stadt oder
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.