Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1172489
Genter Altar. 
der Brüder am 
Antheil 
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versucht oder den ihm bekannten Intentionen seines Bruders an- 
geschlossen hat. Auf den Aussenseiten kommt Einzelnes vor, das 
leichter oder flüchtiger behandelt ist, als die Innenbilder; aber das 
ist bei so grossen Werken nichts Ungewöhnliches, und wenn wir da- 
bei eine Mitwirkung von Schülern annehmen wollen, so ist doch 
nichts da, was "eine Divergenz zwischen zwei bedeutenden Meistern 
verriethe. Und noch weniger lasst sich auf den anderen Tafeln etwas 
der Art nachweisen. Das ganze Werk macht vielmehr den Eindruck 
vollkommenster Harmonie, und es ist ein fruchtloser und gefährlicher 
Versuch, scheiden zu wollen, was sich nicht von selbst ablöst. Halten 
Wir uns vielmehr an das Unzweifelhafte. Hubert hat das Werk be- 
gonnen, die Erfindung und zwar, da sich hier keine Trennung denken 
lasst, des Ganzen in allen seinen wesentlichen Theilen stammt von 
ihm. Wir können dies um so mehr mit Gewissheit sagen, als Johann 
in keinem seiner eignen Gemälde eine Neigung zu ähnlichen tief- 
sinnigen Beziehungen blicken lasst. Wie weit Hubert mit der Ausführung 
gekommen, können wir nicht sagen; wir haben leider nicht einmal 
eine Nachricht, wann er die Bestellung erhalten, wie viele Jahre er 
selbst daran gearbeitet habe. Wahrscheinlich ist es freilich, dass er 
bereits die Zeichnung des Ganzen angelegt hatte, da dies bei so uni- 
fassendem Werke für die Ausarbeitungen der einzelnen Theile nöthig" 
War, und da ohne eine anschauliche Anlage weder Jodocus Vydts 
das Verlangen, noch Johannes den hinth der völligen Ausführung 
gehabt haben würde. Das Wort: er begann (incepit), möchte sogar 
schon auf ein weiteres Stadium, auf einen Anfang der Ausführung 
deuten. Johann aber vollendete, und die Vollendung setzt bei einem 
so grossen Werke auch eine Stimmung der später gearbeiteten Theile 
zu den früheren voraus. Er konnte daher nicht umhin, auch die 
vielleicht schon von seinem Bruder fertig gestellten Tafeln noch zu 
berühren, wo dies nöthig war. An einzelnen Stellen, wo jene Vor- 
arbeit unvollkommen war oder Lücken liess, wird er dann mehr hinzu- 
gesetzt haben; das Landschaftliche mag von ihm weiter ausgeführt sein. 
Die südliche Vegetation auf der Tafel der Einsiedler kann schwerlich 
von Hubert herrühren, sondern wird erst von Johannes nach Studien 
ausgearbeitet sein, die er in Portugal bei seiner Reise im Jahre 1428 
gemacht hatte. Aber dass es ihm möglich war, das Ganze trotz 
dieser getheilten Arbeit so harmonisch zu vollenden, beweist, dass 
die Technik beider Brüder eine genau übereinstimmende war, dass 
also Hubert die Oelmalerei genau in derselben Weise ausübte, wie 
sein Bruder. So lange man, wie Vasari und wie alle Schriftsteller 
der vorigen Jahrhunderte, die neue Erfindung bloss in das chemische
        

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